Ziereis spielt immer

von Redaktion

Bierofka vergleicht den effektiven Löwen-Torjäger mit Bayern-Star Müller – und stellt ihm eine Stammplatzgarantie aus

von uli kellner

München – Um das Thema des Tages kam natürlich auch Daniel Bierofka nicht herum. Der Trainer des TSV 1860 neigt ja dazu, um vereinspolitische Themen einen Bogen zu machen, doch es ging um Roland Kneißl, 55, einen Urlöwen, wie er selber einer ist. Im Raum stehen Mobbingvorwürfe, die sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. Also sah Bierofka ein, dass er irgendetwas sagen musste und entschied sich dafür, den Menschen Kneißl in seinem Pflichtstatement zu würdigen – und sich einer moralischen Bewertung zu enthalten.

„Ich kann nur sagen“, so der 1860-Coach: „Ich kannte den Roland schon, als ich noch ein Kind war. Er hat bei meinem Vater gespielt, hat hier mehrere Fanclubs. Er ist ein Spieler, der viel für den Verein getan hat. Es tut mir leid, dass es so gekommen ist, denn ich mag ihn sehr. Aber ich hab da keinen Einblick, kenne die Hintergründe nicht – und kann mich deswegen nicht näher dazu äußern.“

So weit, so diplomatisch. Lieber wandte sich Bierofka sportlichen Themen zu, und da gab es zum Glück einen ganzen Strauß an Themen. Zu Greuther Fürth II, dem heutigen Gegner, fiel ihm ein, „dass die schon im Hinspiel versucht haben, uns den Schneid abzukaufen“. Durch ein spätes Tor von Daniel Wein siegte 1860 mühsam mit 1:0. Bierofka nahm auch Stellung zu den vielen Auswärtsspielen, die jetzt kommen, die ihm nach dem makellosen Heimviererpack aber keine schlaflosen Nächte bereiten: „Wir fahren hin, fertig. Auch auswärts gibt es einen normalen Fußballplatz mit 22 Spieler, die darauf stehen.“ Und dann galt es ja noch die Gelbsperre von Sascha Mölders zu kommentieren. Bierofka deutete an, den Ausfall des Sturm-Promis durch eine Systemumstellung auffangen zu wollen (4-3-3 statt 4-4-2) – und nutzte die Gelegenheit, um mal ein kleines Loblieb auf dessen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so präsenten Partner loszuwerden.

„Wir haben ja auch noch Ziereis“, erinnerte Bierofka an seinen zuletzt erfolgreichsten Torjäger. In 21 Spielen für den Tabellenführer hat der frühere Regensburger elf Treffer erzielt, fünf alleine in den letzten vier Spielen. „Ich wäre ganz froh, wenn die Serie hält“, scherzte Bierofka und schwärmte: „Zier ist ein Typ, der sehr mannschaftsdienlich ist, der mit Druck umgehen kann. Eine humorige Art hat er auch, die gut ankommt in der Kabine.“ Nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit Ziereis fiel der Name Thomas Müller – und obwohl Vergleiche mit Stars des Erzrivalen heikel sind, ging Bierofka bereitwillig darauf ein.

Ja, auch Ziereis wisse „ganz genau, wo die Kiste steht – auch wenn’s manchmal ein bisschen komisch aussieht“, sagte der Löwen-Coach: „Der Zier stirbt nicht in Schönheit auf dem Platz, sondern haut den Ball einfach rein. Er ist effektiv, schießt Tore, bereitet welche vor. Louis van Gaal hat mal gesagt: ,Müller spielt immer.’ Ziereis normalerweise auch.“ Pflichtschuldig erinnerte Bierofka noch daran, dass der Weltmeister des FC Bayern natürlich grundsätzlich „auf einem ganz anderen Niveau“ unterwegs sei: „Aber man kann die beiden Spielertypen schon vergleichen. Ich bin jedenfalls total froh, dass der Zier da ist und fühle mich bestätigt, dass ich ihm im Sommer geholt habe.“

Nicht zuletzt ist der Oberpfälzer Ziereis auch der lebende Beweis dafür, dass Bierofka keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen andere Regionen Bayerns hat. Jetzt, da nacheinander Spiele in Fürth, Bayreuth (Totopokal) und Schweinfurt anstehen, betonte er das auf seine Weise. „Ich komm’ ja aus München, daher hab ich mit da oben nicht so viel zu tun“, sagte der in Feldmoching aufgewachsene Bierofka: „Wir fahren da hin, wollen die Punkte holen und haben keine Zeit, uns mit Sehenswürdigkeiten zu beschäftigen, wenn’s da welche gibt.“

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