6:1 – Spanien macht Argentinien platt

von Redaktion

„Wir wurden geohrfeigt“: Südamerikaner sind ohne Messi kein Aspirant auf den WM-Sieg – nun soll die Heilige Jungfrau Maria helfen

Madrid – Lionel Messi hatte genug gesehen. Zwölf Minuten vor Abpfiff der 1:6-Pleite gegen Spanien verließ Argentiniens Superstar die Loge im Wanda Metropolitano von Madrid. Von dort hatte der angeschlagene Profi des FC Barcelona das Debakel verfolgt, mit jedem Gegentreffer war er tiefer in seinen Sitz gesunken. Der WM-Mitfavorit wurde von einem anderen WM-Mitfavoriten demontiert und bekam auf brutale Weise vor Augen geführt: Ohne Lionel Messi geht es nicht.

„Spanien hat uns heute geohrfeigt“, sagte Nationaltrainer Jorge Sampaoli konsterniert. Die höchste Niederlage in der Verbandsgeschichte – zuvor hatte die Albiceleste auch bei der WM 1958 gegen die Tschechoslowakei und 2009 unter Trainer Diego Maradona in Bolivien 1:6 verloren – nahm der Coach auf seine Kappe. „Die Verantwortung für das, was wir abgeliefert haben, liegt bei mir. Die Tore trafen uns tief ins Mark, das müssen wir verbessern, damit wir bei der WM keinen Selbstmord begehen.“

79 Tage vor dem Turnierstart in Russland deckten die Spanier, die sich schon beim 1:1 gegen Deutschland top präsentiert hatten, die Schwächen auf. „Diese Pleite hinterlässt Spuren mit Blick auf die WM“, glaubt Carlos Bilardo, Argentiniens Weltmeister-Trainer von 1986. Symbolisch war der fünfte Gegentreffer durch Iago Aspas, der nicht nur für die Zeitung „La Nacion“ ein „Komplettversagen“ war. Ein Abstoß von Spaniens Torhüter David de Gea durch die Mitte landete geradewegs bei Aspas, der ohne Gegenspieler alleine auf Argentiniens Torhüter Wilfredo Caballero zustürmte. Auch offensiv lief für den zweimaligen Weltmeister ohne Messi wenig. Konnte das Fehlen seines Superstars (Oberschenkelprobleme) beim 2:0 gegen Italien dank einer überragenden Torhüterleistung von Caballero noch kaschiert werden, fiel das Team gegen Spanien nun zusammen. Von den letzten zehn Partien, in denen Messi fehlte, gewann man nur vier. „Wenn der Gegner seinen Namen in der Aufstellung ließt, bekommt er schon Ehrfurcht. Wie bei Pele, Cruyff oder Maradonar“, sagte Bilardo. Eine Aura wie Messi hat Gonzalo Higuain bei Weitem nicht. Der Torjäger, der für Juventus Turin nach Belieben trifft, blieb gegen Italien und Spanien blass.

Um den angeblichen WM-Fluch zu brechen, lösten einige Spieler des Weltmeisterteams von 1986 ein 32 Jahre altes Versprechen ein. Angeführt von Jose Luis Brown besuchte die Gruppe im Marien-Wallfahrtsort Tilcara wie im Januar 1986 die Figur der Heiligen Jungfrau von Copacabana. Damals hatte Bilardo seinen Kader in einem Trainingslager auf Mexiko vorbereitet, und die Spieler hatten in der Kapelle ein bis dato nicht eingehaltenes Gelübde abgelegt, zurückzukehren.sid

Artikel 1 von 11