Elber: „Tite ist einer wie Jupp Heynckes“

von Redaktion

Brasilien verkürzt auf 2:7 – Für die WM sind Douglas Costa und sogar Rafinha ein Thema

Berlin – In Brasilien haben die Nationaltrainer zuletzt schnell gewechselt, da kamen auch die deutschen Interessenten am internationalen Fußball nicht hinterher. Aber den Neuen, den kann man sich gut merken. Weil er einen Namen hat, den man bei uns als wortspielverdächtig empfinden: Tite. Wird in Brasilien natürlich nicht so gesprochen, wie wir es tun. „Titsch“, gibt Giovane Elber den Lautmaler. „Tschitsch“, sagt Cacau, der zum Deutschen gewordenen Brasilianer, „es ist in jeder Provinz anders“.

Egal, dieser Tite-Titsch-Tschitsch ist ein aufgeweckter Typ, sehr redselig. „Ich bin so, voller Adrenalin“, sagte er nach dem 1:0-Sieg bei den Deutschen, der tiefere Bedeutung hatte als bei Testspielen üblich. „Wenn die brasilianische Seele nun ein wenig ihren Frieden findet, ist das okay“, befand Joachim Löw, der Verursacher des 1:7-Traumas von Brasil bei der WM 2014. Nun steht es nur noch 7:2.

Ex-Bayern-Spieler Elber hält Tite für die perfekte Trainerbesetzung in der Selecao. „Seine Titel hat er nicht dank überragender Einzelspieler gewonnen, sondern weil er Mannschaften geformt hat.“ Wenn er Tite mit einem Trainer hierzulande vergleichen solle, „dann mit Jupp Heynckes. Auch bei ihm geht es über den Umgang mit der Mannschaft.“

„Ich habe Brasilien nicht so stark gesehen, dass wir keine Chance gehabt hätten, sie auszuspielen“, befand Julian Draxler, musste aber einräumen, dass die Südamerikaner cleverer agierten als in der Vergangenheit: Die Deutschen kamen gar nicht erst in die Räume, in denen sie richtig gefährlich hätten werden können.

Tite, der Taktiker. Er verehrt DFB-Spielmacher Toni Kroos: „Ein wahnsinniges Talent. Er sieht Passmöglichkeiten, die anderen verborgen bleiben.“ Doch auch gegen ihn fand man ein Mittel: „Er musste häufig nach außen spielen. Das wollten wir erreichen.“

Bis nach Mitternacht erklärte Tite der brasilianischen Presse das Spiel, wortreich, ohne Druck, aufbrechen zu müssen. Auch er beschäftigt die Medien vor der WM noch mit Nominierungsrätseln. 18 Plätze gelten als fest vergeben, doch das Spiel in Deutschland hat gezeigt, dass weitere Spieler zur Weltmeisterschaft drängen. Ex-Bayer Douglas Costa agierte nach seiner Einwechslung belebend. Tite sagt: „Es hat ein paar Monate gedauert, doch er hat sich in den italienischen Fußball gut eingefügt.“ Auch Münchens Rafinha, in Berlin nicht dabei, hat noch eine Chance. „Ich werde ihn nochmals anschauen.“  gük

Artikel 1 von 11