Unterhaching – Als es drauf ankam, hat Manfred Schwabl genau hingeschaut. Unterhachings Präsident saß beim 1:1 der deutschen U 16 am Montag gegen Italien in Ulm auf der Tribüne, links und rechts von ihm unzählige Scouts aus Europas Top-Ligen. Er sah wie sie alle, wie Karim Adeyemi das Tor der DFB-Junioren vorbereitete und darüber hinaus noch einige weitere gute Szenen hatte. Für Schwabl aber hatte der gerade erst 16 gewordene Jungspund seinen wichtigsten Auftritt nach dem Duschen, auf dem Weg von der Kabine zum Teambus. Da trug er die Koffer. „In solchen Momenten siehst du, ob es einer schaffen kann oder eben nicht“, sagt Schwabl, „Karim hatte zwei super Spiele hinter sich – da sagt sich ein anderer: Ich muss nix schleppen. Lass’ doch die Deppen machen.“
Adeyemi genügten beim 1:1 15 Minuten, damit die Späher seinen Namen erneut mit einem dicken Ausrufezeichen versahen. Am Samstag duellierten sich Deutschland und Italien das erste Mal, bei der 2:4-Niederlage erzielte der Hachinger das 1:0. Schwabl war zur gleichen Zeit beim Drittligaspiel seiner SpVgg-Profis in Münster, als nach Adeyemis Tor binnen weniger Minuten sein Handy gar nicht mehr zur Ruhe kam: Kurzmitteilungen von Freunden, Beratern und Interessenten. Karim Adeyemi ist im Juniorenbereich längst ein Begriff.
Laut Statuten darf er noch nicht für Hachings Profis ran, doch bis zum Sommer ist er nun bei der U 19 fest eingeplant – trotz seiner Jugend. Wenn die erste Mannschaft dann im Juni ihre Vorbereitung startet, wird der Stürmer ganz oben integriert. Die Abwerbungsversuche der Top-Klubs häufen sich, doch geplant ist, dass er sich mindestens noch eine Saison bei den „Rot-Blauen“ entwickeln soll.
Schwabl hat auf sein Juwel seit Jahren ein besonderes Auge, denn das ist ja sein großes Credo: Talente sorgfältig auszubilden, um für alle Anforderungen im Profibereich gewappnet zu sein. Auch im DFB-Trainingslager leuchteten auf Adeyemis Handy immer wieder Kurznachrichten des Präsidenten auf: „Geh’ deinen Weg, mach’ genau so weiter – und bleib’ bodenständig“, so lautet da stets der Tenor. „Dass er ungemeines Tempo hat, torgefährlich und trickreich ist, weiß ja jeder“, sagt Schwabl, „aber wenn du ein Großer werden willst – und das Zeug dazu hat er –, musst du auch immer einen Schuss bodenständig bleiben. Dafür sind wir als Verein da.“
Als Schwabl beim 1:1 gegen Italien so um sich herum schaute, sah er bei Adeyemis Aktionen „die ganzen Gesichter, wie sie alle gestaunt haben“. Da musste er innerlich grinsen und war auch ein bisschen stolz. „Aber dass er danach noch den Koffer trägt, das ist genauso viel wert wie ein Tor.“ ANDREAS WERNER