Ziereis trifft immer

von Redaktion

Auf den Löwen-Müller ist auch beim 2:0-Sieg in Fürth Verlass – Mit Zwölf-Punkte-Polster in die Pokalpause

von uli kellner

Fürth – Die letzten vier Minuten im Fürther Nieselregen blieben dem Löwen der Stunde erspart. Daniel Bierofka nahm Markus Ziereis kurz vor dem Ende der Partie vom Platz, organisierte dem Torschützen zum 0:1 auf diese Weise einen Sonderapplaus und dürfte zufrieden registriert haben, dass seinem derzeit besten Stürmer die ganze Schmeichelei vom Vortag nicht geschadet hatte. Im Gegenteil. Lange war das Kräftemessen mit der Fürther Reserve eine recht zähe, ausgeglichene Angelegenheit – dann kam Ziereis und müllerte einen rein (63.). Nico Karger setzte noch das 0:2 drauf (69.) – fertig war der fünfte Löwen-Sieg in Folge. Der Tabellenführer geht mit zwölf Punkten Vorsprung auf Bayern II in die Osterpause, die zugleich eine Totopokalpause ist (Montag, 16 Uhr in Bayreuth). Mit diesem Zwischenstand ist natürlich auch der Thomas Müller des TSV 1860 zufrieden. „Wir haben einen super Vorsprung, einen super Lauf“, sagte Ziereis: „Wir gewinnen die Spiele, und solange wir punkten, ist alles gut.“

Wie sich die Zeiten ändern. Als die Löwen letztmals dienstlich in Fürth zu tun hatten, glich der traditionsreiche Ronhof einer Baustelle; das 1860-Team dagegen war im August 2016 geprägt von Aufbruchstimmung. Erstes Spiel von Trainer Kosta Runjaic, Debüt von Millionen-Rückkehr Stefan Aigner – große Euphorie, die durch die 0:1-Pleite allerdings gleich mal einen Dämpfer erhielt. Inzwischen wurde das Stadion der Fürther aufwendig saniert, es wird weiterhin auch von der zweiten Kleeblatt-Mannschaft bespielt, auf die die Löwen gestern trafen. Tribünen, Ausstattung und Flair im Ronhof strahlen gehobenes Zweitligaformat aus, doch damit die Löwen eines Tages auch wieder zu einem Profiduell aufkreuzen dürfen, müssen sie ihren Spitzenplatz in der Tabelle wahren – und sich langsam in Form bringen für die Aufstiegsrelegation.

Fünf, die am 6. August 2016 dem Profiaufgebot des TSV 1860 angehört hatten, waren auch gestern im Stadion. Levent Aycicek und Maxi Wittek saßen auf der Tribüne, sie tragen inzwischen die Farben der Fürther (Profis). Wittek fieberte dort neben dem gelbgesperrten Ex-Kollegen Sascha Mölders. Auf dem Platz stand Nico Karger, der damals nicht an neuen 1860-Stars wie Aigner, Olic und Co. vorbeigekommen war. Einzig Jan Mauersberger hat die turbulenten eineinhalb Jahre im Team der Löwen „überlebt“ – auch im gestrigen Duell mit Fürths Reserve hielt der erfahrene Abwehrhüne seine Knochen hin.

Als ehemaliger Fürther weiß Mauersberger, dass alle Fürther Mannschaft einen beherzten Offenstivstil pflegen – und auch im Kleinen war dieser Ansatz gestern erkennbar. Den Löwen gehörten die ersten zehn Minuten, in denen sich eine gute (Karger) und zwei mittelgute Chancen (Berzel, Seferings) boten. Danach jedoch übernahmen die Gastgeber die Initiative und sorgten dafür, dass es vor dem gut besetzten Gästeblock (ca. 1500 Löwen-Fans) zumindest nicht langweilig wurde. Der profierprobte Omladic prüfte Hiller mit einem seiner berüchtigten Gewaltfreistöße, Auch Ammari kam mal gefährlich vors Tor – das 0:0 zur Pause dürfte eher die Löwen zufrieden gestellt zu haben.

Allerdings: Der Tabellenführer hat sich in den letzten Wochen den Ruf erworben, ein höchst effektives Punktemonster zu sein – und diesem wurde er erneut gerecht. Nach 63 Minuten drang der für Weeger eingewechselte Koussou in den Strafraum ein, durchaus aussichtsreich – die Vollendung überließ er allerdings dem neuen Mr. Cool der Löwen. Ein prüfender Blick aufs Tor, ein trockener Rechtsschuss – ein echter „Müller“ dieses 0:1. „Ziereis spielt immer“, hatte Bierofka am Tag vor dem Spiel gesagt. Neuerdings gilt auch: Ziereis trifft immer. Es war bereits sein sechstes Tor in den letzten fünf Begegnungen.

Mit Kargers Treffer zum 0:2 war das Spiel entschieden, die Fürther Gegenwehr erlahmte – ganz nach dem Geschmack von Daniel Bierofka. „In der zweiten Halbzeit haben wir die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht“, sagte der Löwen-Coach: „Das ist momentan unsere Qualität.“ Sie trägt nicht zuletzt den Namen Ziereis.

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