München – Kurz nach dem 72:91-Debakel gegen Alba Berlin war sich Sasa Djordjevic noch sicher gewesen. Nein, das Eurocup-Aus und die Abfuhr im Bundesliga-Gipfel werde bei seinen Basketballern des FC Bayern keine Spuren hinterlassen: „Wir kommen zurück.“ Wenige Tage danach ist nun klar: Djordjevic selbst wird darauf keinen Einfluss mehr nehmen. Am Donnerstag hat ihn der Klub von seinen Aufgaben entbunden, auch sein „Co“ Goran Bjedov und Athletik-Trainer Mladen Mihajlovic mussten ihre Posten räumen.
Am Samstag (20.30 Uhr) in Oldenburg wird Assistenten-Dauerbrenner Emir Mutapcic übergangsweise die Regie übernehmen. Und danach? Deutet viel auf Dejan Radonjic hin. Der 48-jährige Montenegriner steht derzeit noch in Diensten von Roter Stern Belgrad. Er gilt als gewiefter Taktiker, davon konnten sich auch die Ex-Belgrader Stefan Jovic und Maik Zirbes selbst überzeugen. Auch Vladimir Lucic ist mit Radonjic bestens vertraut. Sein Auftrag ist klar. Binnen des nächsten Monats soll er die Mannschaft in Meisterform bringen.
Dass Djordjevic dazu noch in der Lage sein würde, stand für die Bayern-Verantwortlichen zuletzt zunehmend mehr in Zweifel. Daran änderten auch der Pokalsieg und das weitgehend starke Auftreten in Europa nichts. Wobei die Niederlagen der vergangenen Woche wohl letztlich nur die Tropfen waren, die das Fass zum Überlaufen brachten. „Wir haben über einen längeren Zeitraum Entwicklungen und Eindrücke registriert“, sagte Geschäftsführer Marko Pesic. Dinge, über die das dreiköpfige Klubpräsidium um Uli Hoeneß übrigens stets genau informiert gewesen sein soll.
Beim Auswärtsspiel in Istanbul hatte Djordjevic nicht reagiert als Darüssafaka nach dem Wechsel die Bayern-Führung binnen weniger Minuten von 17 auf drei Punkte reduzierte. Obendrein ließ er den defensiv heillos überforderten Maik Zirbes bis tief ins Schlussviertel hinein für den foulbelasteten Devin Booker spielen. Beim Wiedersehen in München saß Maskenmann Danilo Barthel über weite Strecken der zweiten Halbzeit auf der Bank, obwohl den Bayern am Korb bis dahin am meisten gelungen war. Dass dem Team zwei Tage später gegen Alba Berlin die Luft ausging, ist zwar nachvollziehbar. Aber es ist zumindest ein Streitpunkt, ob Djordjevic mit den Kräften seiner Leistungsträger ausreichend hausgehalten hat. Alex King spielte zuletzt keine Rolle mehr, auch der aufstrebende Youngster Karim Jallow kam nicht über fünf Minuten Spielzeit heraus. „Meine Aufgabe ist es, Spiele zu gewinnen, nicht junge Spieler zu entwickeln“, sagte Djordjevic dazu kürzlich.
Das sah im Klub nicht jeder so. Geschäftsführer Marko Pesic jedenfalls sah vielmehr zunehmend Alarmierendes. „Die Mannschaft ist nicht in dem Zustand, in dem ich sie erwartet habe“, sagte er, „eine Verfassung wie gegen Alba Berlin werde ich nicht erlauben.“
Wobei die Probleme im Hintergrund offenbar schon länger gärten. Der selbstbewusste Coach soll sich den Einlassungen der Führung um Pesic und Sportchef Daniele Baiesi über die vergangenen Monate konsequent verweigert und gemeinsam mit Assistent Goran Bjedov seine Linie durchgezogen haben. Dass das in München nicht ratsam ist, hatte einige Jahre zuvor auch Dirk Bauermann erfahren müssen. Der frühere Bundestrainer musste sechs Tage vor dem Saisonauftakt 2012/13 gehen – übrigens ebenfalls vor einer Partie gegen Oldenburg. Auch Bauermann soll letztlich vor allem darüber gestolpert sein, dass er sich gegen die Einflussnahme der Klubführung sperrte. Auf ihn folgte damals Svetislav Pesic, und der führte die Bayern bekanntlich 2014 zum Titel.