München – Über dieses erste Spiel der Halbfinalserie zwischen München und Mannheim lässt sich viel Gutes sagen. Dass es ein tolles Tempo hatte, dass fulminante Paraden der Keeper geboten wurden (Danny Aus den Birken und Dennis Endras mit etlichen Saves und je nur einem Fehler), dass auch die Treffer sehenswert waren, die für den EHC Kapitän Michael Wolf (2), Maxi Kastner und Dominik Kahun erzielten. Die Münchner spielten entschlossener und konzentrierter als gegen Bremerhaven im Viertelfinale, die Mannheimer forderten ihnen das jedoch auch ab. „Viel Unterschied“, sagte 1:0-Schütze Kastner, „war nicht.“
Doch nicht die Spannung dieses Spiels mit dem Verlauf 1:0-1:1-2:1-2:2-3:2-4:2 und die Tatsache, dass die Münchner einmal in doppelter und ein weiteres Mal in einfacher Überzahl trafen, wurde zur Geschichte des Abends, sondern eine Aktion des Münchners Steve Pinizzotto – und was daraus entstand und wie es die Atmosphäre der Serie (Best of Seven) beeinflussen kann. Am Tag danach, am Karfreitag, ging die Geschichte denn auch gleich weiter: Die DEL-Disziplinarkommission tagte und fand ein Urteil: Steve Pinizzotto ist ab sofort für fünf Spiele gesperrt. Läuft es dumm für den ihn und den EHC, dann hat er am Donnerstagabend sein letztes Spiel für München gemacht. Einen neuen Vertrag bekommt er nicht, wahrscheinlich ist ein Wechsel zu den Kölner Haien.
Was genau war geschehen? Pinizzotto hat ja seinen Ruf in der Liga: als einer, der die Konfrontation sucht, mit dem Gegner, dem Schiedsrichter, dem Publikum. Der Deutschkanadier mit NHL-Vergangenheit steht für Rücksichtslosigkeit – anderen Spielern kann das Furcht einflößen, dem eigenen Team helfen. Man legt sich nicht gerne an. Er hat konditionelle Schwächen, kann aber passabel Eishockey spielen, das zeigte er mit seinem Pass zu Michael Wolfs 3:2, dem Siegtreffer.
In den fünf Viertelfinals war Pinizzotto disziplinarisch unauffällig gewesen – doch nach 48:32 Minuten Halbfinale hatte die Beherrschung ein Ende. Er fuhr einen Check gegen Matthias Plachta, den olympischen Silbermedaillengewinner aus dem ersten Sturm der Adler. Er war der dritte Mann in einem Zweikampf (Abeltshauser/Plachta), er hatte den Ellbogen oben, er traf den – etwas gesenkten – Kopf von Plachta, wuchtete ihn ins Plexiglas. Plachta stürzte aufs Eis, lag auf dem Rücken, vom ersten Moment an sah es nach Notfall aus. Und Pinizzotto stand über ihm, in der Haltung eines Täters, der auf sein Opfer blickt. Höhnisch machte er eine Schlaf-Geste.
Sofortige Spielertraube, der kantige Mannheimer David Wolf und Pinizzotto haben sich am Wickel, die Schiedsrichter geben nur je zwei Minuten wegen übertriebener Härte. Den Check ahnden sie nicht.
Plachta wird auf dem Eis behandelt, kurzzeitig wird eine Halskrause herbeigeschafft, nach fast fünf Minuten der Spieler aufgerichtet. Er schafft es kaum vom Eis, sein Teamkollege Marcel Goc und der faire Münchner Konny Abeltshauser („Ich habe auf den Schlittschuhen einen besseren Stand als die Ärzte“) führen ihn.
Die Pinizzotto-Show ist noch nicht zu Ende. Nach Ablauf der Strafzeit lässt er auf dem Eis sofort die Handschuhe fallen, will sich mit Wolf prügeln. Der Mannheimer geht nicht darauf ein. Pinizzotto bekommt eine Zehn-Minuten-Strafe. Als er kurz vor Ende der Partie zur Spielerbank zurückfahren darf, provoziert er sofort in Richtung Mannheim.
Adler-Trainer Bill Stewart sagte hinterher: „Mein Job als Trainer ist es, meine Spieler zu schützen.“ Dafür seien auch die Referees zuständig. „Man kann mich für diese Aussage gerne bestrafen: Die Schiedsrichterleistung war von der ersten bis zur letzten Minute indiskutabel. Wir als Organisation wurden benachteiligt.“ Sirko Hunnius und Marc Iwert hatten schon die ersten zwei EHC-Spiele gegen Bremerhaven schlecht gepfiffen und waren danach ausgetauscht worden. Nun sahen sie das Pinizzotto-Foul nicht. Eine große Strafe (fünf Minuten plus Spieldauer) wäre erforderlich gewesen.
Münchens Trainer Don Jackson bastelte sich zu dem Vorfall seine eigene Wahrheit: Er sprach von einem „clean hit“, einem sauberen Check, auf dem Video sehe man doch: „Hands are down“, die Hände seien unten – man sieht genau das Gegenteil: Der Ellbogen wird ausgefahren, Pinizzotto geht wuchtig und zielgerichtet gegen Plachtas Kopf. Auf die Frage, ob er erwäge, Pinizzotto im zweiten Spiel am Samstag in Mannheim (18.30 Uhr/Sport1 live) nicht aufzustellen, sagte er: „Das kommt mir nicht in den Sinn.“
Diese Entscheidung hat ihm die Deutsche Eishockey Liga abgenommen, die Pinizzotto wegen seiner Provoktionen vor einigen Monaten schon einbestellt hatte. Es liege ein „Check gegen den Kopf oder Nacken“ vor, Pinizzotto habe Plachta nicht nur „mit hoher Geschwindigkeit“ gecheckt, sondern auch „kurz vor dem Kontakt seinen Ellenbogen und seinen Körper nach oben“ gezogen und „mit dem Ellenbogen wuchtig Plachtas rechte Gesichtshälfte“ getroffen.