Gorenzel fällt ein vernichtendes Urteil

von Redaktion

Pokal-Aus als Augenöffner – Einige aus der B-Elf der Löwen haben sich „nicht für höhere Aufgaben im Profifußball beworben“

von uli kellner

Bayreuth – Badelatschen an den Füßen, treuherziger Blick. So stand Lucas Genkinger, 23, im Kabinengang des Bayreuther Stadions und legte seine Sicht zum Aus des TSV 1860 im Viertelfinale des Totopokals dar. „Die Mannschaft hat super gekämpft, aber leider zu viele kleine Fehler gemacht“, räsonierte der Rechtsverteidiger und schwang sich zum Anwalt der jugendlichen B-Löwen auf. „Absolut keinen Vorwurf an niemand“, sagte er. Das Bemühen bei allen sei erkennbar gewesen. Eine These, für die sein eigener Auftritt das beste Beispiel war: Traumtor zum 1:0 in den Winkel geknallt (57.) – drei Minuten später dann den Strafstoß verursacht, der die Wende einleitete. Genkingers Fazit: „Wir waren zu naiv.“

Wer wohlmeinend ist und zudem emotional involviert, der mag es so sehen wie der frühere Bayern-Nachwuchsspieler (2010 bis 14), der zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf stand. Wer ein bisschen mehr Distanz zum Geschehen hat, der staunt, dass die Löwen von einer Mannschaft niedergekämpft wurden, die Platz 16 der Regionalliga belegt und vier Tage zuvor mit 0:5 bei den kleinen Bayern verloren hatte. Der sieht es eher wie Sportchef Günter Gorenzel, der am Tag nach dem vermeidbaren Pokal-Aus sagte: „Der Auftritt in Bayreuth hat nachdenklich gemacht. Einige haben sich nicht für höhere Aufgaben im Profifußball beworben.“

Mit Ausnahme von Torhüter Hendrik Bonmann, 24, der sich mehrfach als Retter bewährte, zeigten die von Daniel Bierofka aufgebotenen B-Löwen eine wenig erbauliche Leistung. Löchrig die Abwehr, ideenlos das Mittelfeld, harmlos bis unsichtbar der Angriff. Auf diese Formel lässt sich der Auftritt bringen. „Ich hätte uns auch zugetraut, mit dieser Mannschaft zu gewinnen“, sagte Bierofka, dem insbesondere die schwache Defensivleistung missfallen hatte: „Beim Elfmeter stellen wir uns nicht clever an, beim 1:2 sowieso nicht. Da war es vielleicht auch der jugendliche Leichtsinn.“ Sein vielsagendes Gesamturteil: „Es war wichtig zu sehen, auf wen man sich verlassen kann.“

Das Ausscheiden an sich und die erste Niederlage seit dem 11. November (0:2 in Burghausen) – verschmerzbar. Als designierter Meister der Regionalliga sind die Löwen sowieso für den lukrativen DFB-Pokal qualifiziert. Hinzu kommt, dass das Finale des Totopokals (21. Mai) drei Tage vor dem Hinspiel der Aufstiegs-Relegation angesetzt ist. Auch auf die 5000 Euro, die dem Sieger des Verbandspokals winken, können die Löwen verzichten. „Wir sind nicht erfreut, dass wir ausgeschieden sind“, sagte Gorenzel: „Das Ziel ist aber die Meisterschaft.“ Die selbstverständlich im Aufstieg und der sportlichen Qualifikation für die 3. Liga gipfeln soll.

Um dort dann zu bestehen, braucht 1860 nicht nur eine solide erste Mannschaft, sondern auch Qualität in der zweiten Reihe, die offensichtlich nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Aber: Diese Erkenntnis hatten die Verantwortlichen schon vorher, wenn man Gorenzels Worte richtig deutet: „Wir verstärken den Kader aktuell in der Breite. Im Aufstiegsfall wollen wir uns dann mit Topspielern mit Zweit- und Drittliga-Erfahrung verstärken.“ Derzeit ködern die Löwen herausragende Spieler konkurrierender Regionalligisten wie Marius Willsch vom nächsten Gegner Schweinfurt. Steht Ende Mai endlich fest, wohin die Reise geht, soll umgehend in die von Gorenzel beschriebene Premiumqualität investiert werden: „Fakt ist, dass wir mit einigen Spielern einig sind.“ Vertragsabschlüssen für die 3. Liga stehe nur noch der Medizin-Check im Wege.

Ob Ergänzungsspieler wie Lucas Genkinger nach dem Sommer noch das Löwen-Trikot tragen, hängt maßgeblich davon ab, wie es mit dem Bayernliga-Team des Vereins weitergeht. Es gibt bekanntlich Überlegungen, die kostspielige U 21 abzuschaffen. Egal, wie es ausgeht – für Genkinger wird das Erlebnis Bayreuth unvergesslich bleiben. „Durch mein erstes Tor nach so langer Zeit waren das sehr schöne und emotionale Momente für mich“, sagte er.

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