Sevilla – Dass dieser Abend ein hitziger werden würde, hat man in Sevilla schon weit vor dem Anpfiff erahnen können. Als der Mannschaftsbus der Andalusier gestern Abend am Estadio Ramón Sánchez Pizjuán ankam, war er kurzzeitig im Rauch verschwunden. Mehrere hundert Fans wollten die Spieler mit Gesängen und vor allem Pyrotechnik heiß machen für das Champions League-Viertelfinale gegen den großen FC Bayern. Das gelang. Die Münchner gewannen mit 2:1 (1:1), hatten aber lange alles andere als leichtes Spiel.
Der Führungstreffer von Pablo Sarabia (32.) nämlich war nach einer starken Phase der Gastgeber keineswegs unverdient, der Ausgleich vor der Pause fiel – nach einem von Jesus Navas abgefälschten Schuss von Franck Ribery – eher aus dem Nichts (37.). Dafür, dass die Bayern im Rückspiel am kommenden Mittwoch vor heimischem Publikum trotzdem eine sehr gute Ausgangslage für den Einzug ins Halbfinale haben, sorgte eine deutlich stärkere Leistung nach der Pause. Der Siegtreffer durch Thiago war letztlich verdient (68.). Der erste Härtetest ist bestanden – der Triple-Traum lebt.
„Wir sind alle ein bisschen nervös und angespannt“, hatte Hasan Salihamidzic vor der Partie verraten. Der Sportdirektor der Bayern stand ungefähr zu jener Zeit vor der Kamera, als sich die Fans vor dem Stadion einschworen. Kurz vor dem Anpfiff ging es im Stadion weiter. Die Vereinshymne aus 40 635 Kehlen, Gänsehautstimmung in dieser Frühlingsnacht. Und trotzdem sah es zunächst so aus, als ließen sich die Gäste von der Kulisse nicht beeindrucken.
Die Bayern, die im Vergleich zum 6:0 gegen Dortmund auf vier Positionen verändert antraten (Bernat, Thiago, Vidal und Kimmich rotierten ins Team), nahmen das Spiel in den ersten Minuten in die Hand. Sie agierten aus der Abwehr um Jerome Boateng und Mats Hummels ballsicher und ließen die früh pressenden Gastgeber erst mal laufen. Eine erste Chance hatte Hummels nach einer Ribery-Ecke per Kopf, zudem tauchte Kimmich als potenzieller Vorlagengeber mehrfach auf dem rechten Flügel auf. Da hatte sein Pendant auf links – Bernat spielte anstelle des am Rücken angeschlagenen David Alaba – deutlich weniger zu bieten.
Sevilla war dennoch bemüht, den Beinamen „Glückslos“ abzuschütteln. Sven Ulreich wurde nicht langweilig, immer wieder sah man Sarabia und Correa im Strafraum – und schnell wurde klar, dass das Spiel doch kein ganz einseitiges werden würde. Es ging hin und her, es wurden harte Zweikämpfe geführt, die die Bayern zu oft verloren. Schon früh (13.) platzte Ribery derart der Kragen, dass er sich nach einer unbeherrschten Aktion nicht über Rot hätte beschweren dürfen. Es blieb bei Gelb, die Bayern wurden aber kurz später anders bestraft. Bernat verschätzte sich nach einer Escudero-Flanke und wurde von Sarabia überrascht, der im zweiten Kontakt mit dem Innenrist abschloss. Die Reklamationen – der Arm, der den Ball berührte, lag eng am Körper – brachten nichts ein. Das 1:0 war verdient – und zwar mehr als der Ausgleich kurz später.
Immerhin bezeichnend: Dass James wenige Momente nach seiner Einwechslung das 1:1 einleitete. Der Kolumbianer, überraschend wie Arjen Robben zunächst auf der Bank, ersetzte den am Oberschenkel verletzten Vidal, nahm Schwung neben Ribery auf, der den Ball in den Strafraum legen wollte. Jesus Navas fälschte ihn ab. Ausgleich.
Dass nach der Pause dennoch etwas passieren musste, war klar. Ruhiger werden, nicht jede Diskussion annehmen, risikoarm spielen, um Gegenstöße zu vermeiden – das war der Plan von Jupp Heynckes. Er ging besser auf als in den ersten 45 Minuten, auch wenn der starke Javi Martinez zunächst in höchster Not gegen Ben Yedder retten musste. Im schnörkellosen Spiel waren Chancen rarer, James nutzte seine aus der Ferne nicht, näher dran war Martinez nach einer Hereingabe von Müller. Sevilla wurde zunehmend kraftloser, die Bayern nutzten das aus. Und was passiert, wenn man Ribery nicht unter Druck setzt, ist bekannt: Thiago nickte eine Flanke des Franzosen aus etwa sechs Metern ein. Sevilla legte am Schluss noch mal zu – richtig hitzig aber wurde es nicht mehr. Das Pulver war zu früh verschossen worden.