Braver Assistent, kein Königsmörder

von Redaktion

An seiner Loyalität lässt Bierofkas Vier-Tage-Vertreter Beer keinen Zweifel – sogar die Tiefstapelei übernimmt er vom Chef

von uli kellner

München – Das Kürzel „Co“ prangte auch am Freitag unübersehbar auf dem Trainingsanzug von Oliver Beer. „Co“ wie Co-Trainer – das ist die Rolle, die der 38 Jahre alte Regensburger verinnerlicht hat. Und ganz offensichtlich hat es den Stellvertreter von Daniel Bierofka auch nicht danach gedrängt, die mit der Chefrolle verbundenen Pflichten zu übernehmen.

Steh-Pressekonferenz vor der Sponsorenwand. Handgestoppte acht Minuten lang beziehungsweise kurz. 22 Fragen, 22 Stakkato-Antworten. Als Kernaussage ist hängen geblieben: „Was heißt da Chef? Ich war auch die letzten vier Tage Co-Trainer. Ich hab ja nur das Training geleitet.“ Der einzige Unterschied sei gewesen, dass es nun an Beer war, die Videoanalyse vor dem Heimspiel gegen Eichstätt zu leiten: „Die Ansprache am Samstag übernimmt dann aber wieder der Cheftrainer“, stellte er klar.

Der Volksmund sagt ja: Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Auf die „Raubkatzen“ von der der Grünwalder Straße lässt sich das nicht übertragen – zu seriös sind in dieser Saison alle Planstellen besetzt. Bierofkas Autorität wirkt auch, wenn er gerade in Hennef an seinem Fußballlehrer bastelt. Die Mannschaft gilt als pflegeleicht und fixiert auf den Aufstiegstraum. Und Beer? Der ist ein loyaler Assistent und „kein Königsmörder“, wie er unter der Woche betonte. „Man ist ein Team hier, jeder hat seine Aufgaben – nur so funktioniert’s“, erklärt er: „Man braucht Vertrauen ineinander, keine Frage. Aber das ist dieses Jahr gegeben.“

In täglichen Telefonaten haben sich Beer und Bierofka abgestimmt, den Kader für Samstag besprochen (wieder mit Michael Görlitz) – und auch den Gegner analysiert. „In der Rückrunde ist Eichstätt Dritter, sie haben nur einen Punkt weniger geholt als wir“, gibt Beer die hohe Meinung des Trainerteams über den Gegner von der Altmühl wieder: „Es ist eine Mannschaft, die gut organisiert ist, sehr kompakt steht – die wie wir gefährliche Standards als Waffe hat. Man muss aufpassen, dass man ihnen nicht in die Karten spielt.“

Sogar die Tiefstapelei im Hinblick auf das Saisonziel scheint das Trainerteam abgesprochen zu haben. Die Auslosung des Playoff-Gegners? „War gar kein Thema diese Woche“, behauptet Beer: „Erst mal müssen wir Meister werden – und auf dem Weg dorthin haben wir noch schwere Spiele vor uns.“

Der Vier-Tage-Chef kündigt den „Vollgas-Modus“ an: „Die Jungs müssen am Samstag drei Punkte holen – das ist das alles Entscheidende.“ Und wenn’s schiefgeht? Die Antwort darauf hat Bierofka bereits gegeben: „Wenn wir verlieren, ist der Olli schuld.“ Ein Scherz, natürlich. Aber auch das muss unter guten Kollegen erlaubt sein.

Artikel 1 von 11