Der Alpha-Mann

von Redaktion

Von Günter Klein

Berlin – Dass die Firma Alpha Sports heißt – nun ja, das hat keinen tieferen Sinn. Es soll keinen Machtanspruch erheben. Wie Alphatier. Alphamännchen.

Ernst Köpf, der Chef der Alpha Sports GmbH, sagt, als er 2007 anfing, als aus der Idee ein Betrieb wurde, da hat er „einfach einen Namen mit dem ersten Buchstaben gesucht“. Weil das ein Vorteil sein könnte, wenn man in Verzeichnissen vorne steht. Die Leute fangen oben an zu suchen.

„Wir waren zu zweit, unser erstes Büro war eine Wohnung in Lichterfelde“, erzählt Köpf, heute 49, „die Möbel hatte ich bei Ikea gekauft, und weil ich zwei linke Hände habe, hat es eine Woche gedauert, bis sie zusammengebaut waren“.

Nun sind Köpf und Alpha Sports in Berlins berühmtester und prachtvollster Straße, am Kurfürstendamm. Auf zwei Etagen. Eine ist gerade dazugekommen, die Regale laufen ums Eck herum und warten nur darauf, mit Ordnern gefüllt zu werden. Köpf hat 50 Angestellte und 10 000 Klienten.

Und da wird’s doch ein wenig alphamäßig. Wenn man aufs Stockwerk mit Köpfs Büro kommt, sieht man Trikots, sogar von Weltmeistern, die in Vitrinen ausgestellt sind. Oder: Jens Nowotny, Jens Lehmann, Lars Ricken, Mehmet Scholl, Fredi Bobic, Hans Sarpei, mit Sven Felski ein ehemaliger Eishockeystar. Alle Trikots sind signiert, es stehen Worte des Dankes darauf. Für alle hat Alpha was getan: Geld geholt. Von der Berufsgenossenschaft.

Es ist ein der Öffentlichkeit kaum bekanntes Business – aber eines, das alle betrifft, die professionell Sport betreiben. 90 Prozent des Fußballer, Basketballer, Handballer, Eishockeyspieler sind Kunden bei Köpf.

Er war selbst Profi. Einer der besten deutschen Eishockeyspieler. Das lag bei ihm schon in den Genen. Sein Vater Ernst Köpf senior, gebürtiger Füssener, erzielte 1976 das Tor, das Olympia-Bronze bedeutete. Ernst junior, der auch den Spitznamen des Vaters („Gori“) übernahm, wurde mit 18 in Köln schon Deutscher Meister, nachdem er in der 11. Klasse in Augsburg das Gymnasium geschmissen hatte. Er spielte vier Weltmeisterschaften und ein Olympia-Turnier.

Doch ihn begleiteten auch schwere Verletzungen. Das Knie. Dann, dramatisch: Ihm platzte die Milz. Das war in den späten Jahren seiner Karriere, nach dem Bosman-Urteil, als deutsche Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga kaum noch eine Chance hatten und er in die 2. Liga hinunter musste. Bei einem Spiel für Bietigheim-Bissingen bekam Köpf einen Stockschlag ab, verspürte ein merkwürdiges Gefühl von Völle, das der Mannschaftsarzt, ein Proktologe, spezialisiert auf Erkrankungen des Enddarms, nicht richtig deutete. Köpf brach zusammen, verbrachte ein paar Tage im Koma.

Ihm gelang ein Comeback mit der Düsseldorfer EG. Doch mit 30 musste Köpf aufhören. Schulterverletzung. Er wäre der ideale Klient für Alpha Sports gewesen – hätte es damals, 1998, solch einen Anbieter schon gegeben.

Er sagt, viele Sportler wüssten gar nicht, dass sie Ansprüche haben in solchen Fällen, da sie über die Berufsgenossenschaft unfallversichert sind. Und dass es kaum Anwälte gibt, die firm sind in diesem Bereich. Rechtsstreitigkeiten mit der Berufsgenossenschaft können sich auch über Jahre hinziehen und teuer werden. In einer anderen Sache hat Ernst Köpf zudem die Erfahrung gemacht, „dass der Rechtsanwalt dir rät, durch alle Instanzen zu gehen“ – das sichere vor allem seine Gebühren. Darum bietet er was anderes an: Er finanziert diese Prozesse, „der Sportler zahlt erst mal gar nichts“. Im Erfolgsfall geht eine Provision an Alpha Sports. Das amerikanische Modell – wie aus einem Justizroman von John Grisham.

„Wir arbeiten erfolgsorientiert“, sagt Ernst Köpf, „und ich glaube, das kommt bei den Sportlern an“. Die Erfolgsquote liegt bei über 75 Prozent, zwischen 16 und 23 Millionen Euro im Jahr schüttet er an die Sportler aus. Die Anwälte der Kooperationskanzlei Kelm Maidaikina sind Experten für „Verletztengeld, Rente, Invaliditätsleistungen“. Bei Anwälten steht der Stundensatz für die Liga, in der sie spielen. Köpf: „Sie nehmen im mittleren dreistelligen Bereich.“

Verletzungen können zu Erwerbsminderung führen, sogar ein gutdotierter Fußballer kann Rente bekommen.

Klar : Wer Profi wird, kann sich denken, dass das ein Lebensabschnitt für zehn, im seltenen Fall für 15 oder 20 Jahre werden wird. Und dass danach etwas anders kommen muss.

Aber, und Köpf erklärt es an einem Beispiel: „Ein Fußballer erleidet einen Kreuzbandriss. Nach der Reha kann er wieder Fußball spielen. Aber auf einer Liste von 100 Berufen kann er als Folge dieser Verletzung vielleicht 20 nicht mehr ausüben. Fliesenleger etwa, da müsste er viel knien.“ So entstehen Einschränkungen und Ansprüche. „Es gibt auch keine Verjährungsfrist“, sagt Köpf. Darum wenden sich Sportler noch an ihn, wenn sie vor Jahren mal einen Vorfall in ihrem Berufsleben hatten.

Es ist halt nicht immer einfach, den Nachweis zu erbringen, dass eine Schädigung letztlich aus einem Unfall beim Sport resultierte. Auch natürlichen Verschleiß kann man nicht geltend machen. Der gehört dazu. Die einzige anerkannte Berufskrankheit bei Fußballern und Eishockeyspielern ist der kaputte Innenmeniskus.

Gerade hat Alpha Sports den Fall eines ehemaligen, in München sehr bekannten Fußballers abgeschlossen, der jetzt als Trainer arbeitet (mehr darf nicht gesagt werden – Datenschutz). „Der Prozess hat neun Jahre gedauert“, so Ernst Köpf. Nicht nur, weil er sehr komplex war, sondern weil die Sozialgerichte zuständig sind, die aber immer mehr Hartz IV-Klagen auf den Tisch bekommen. In besagtem Fall waren Köpfs Anwälte erfolgreich: Der Ex-Kicker bekommt nun rückwirkende Zahlungen, die verzinst werden müssen – und es ergibt sich ein Anspruch auf Rente.

Ernst Köpf nimmt auch Klienten auf, an denen er nichts wird verdienen können: „Fußballer mit 400 bis 600 Euro Gehalt. Aber wenn sie einen Arbeitsvertrag haben, werden für sie ja auch Beiträge gezahlt.“ Vereinzelt betreut er auch Motorsportler und Boxer. Für die ist es grundsätzlich schwer, überhaupt eine Versicherung zu finden. Köpf hat für die Berufsboxer den Weg gefunden, dass sie sich als Selbständige melden – so können sie sich dann in der Verwaltungsberufsgenossenschaft versichern.

Die Schilder von Alpha Sports in dem Haus am Kurfürstendamm sind dezent. Man drängt nicht in die Öffentlichkeit. Sponsoring? Ja, ein bisschen; im Handball (Essen, Lemgo, Nordhorn, Gummersbach), Eishockey (DEG, Köln, Ingolstadt, Dresden), Basketball (Bamberg). Aber nicht auf der großen Bühne des Fußballs.

Plakative Werbung muss auch gar nicht sein: „Wir bekommen pro Tag zehn bis zwanzig neue Klienten“, erzählt Ernst Köpf. Seine Firma ist der einzige Anbieter, darum sind 90 Prozent der Berufs(mannschafts)sportler bei ihm. „Wir sind die größte Agentur im deutschen Sport.“

Köpf bietet mittlerweile mehr an als nur die Prozessfinanzierung. Er hat die Geschäftszweige „Insurance“ und „Tax“ gegründet, daher braucht er auch Platz und Personal. Alpha Sports schnürt nun auch Pakete für die oft schwer zu versichernden Sportler – und bietet an, sich um die Steuererklärungen zu kümmern. Und ja, auch solche Fälle gibt es: Geld in Immobilien- oder Schiffsfonds versenkt – dafür vermittelt Köpf Kapitalanlagerechtler. Und er hat auch Familienrechtler zur Hand, wenn eine Ehe sich mal auseinanderentwickelt. Manchmal überlegt Köpf so vor sich hin: „Man müsste den Profis helfen beim Erhalt ihres Geldes. Viele stehen nach der Karriere da und haben nichts.“

Doch er muss auch aufpassen, dass sein Unternehmen gesund wächst. Es ist ihm nicht entgangen, „dass andere Angst haben vor unserer Größe; da entstehen Berührungsängste“. Schließlich gibt es viele im professionellen Sport, die sich um das Wohlergehen der (potenziellen) Stars kümmern. All die Berater (vor allem im Fußball), die oft ihren eigenen Stab unterhalten: Anwälte, Vermögensverwalter, Versicherungsmakler, Steuerexperten. Ernst Köpf, der ehemalige Eishockeyspieler, kennt die Sportszene in Deutschland genau. Und er expandiert auch schon nach Österreich.

Im Moment ist Alpha vorne dran. Nicht nur im Alphabet.

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