München – Seit drei Jahren rauscht der EHC München durch die Playoffs, dass die Konkurrenz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einen Respekt entwickelt hat wie die Fußballbranche vor dem FC Bayern. Doch 2018 wird der Meister der Jahre 2016 und 17 anders gefordert. Zum Auftakt der Best-of-Seven-Serie unterlag das Münchner Team von Trainer Don Jackson den von seinem Gegenüber Uwe Krupp vortrefflich eingestellten Eisbären Berlin 3:4 (1:2, 1:1, 1:1). Und hat nun schon etwas Druck vor Spiel zwei am Sonntag (14.30 Uhr) in der Hauptstadt.
Das Finale, eine höchst feierliche Angelegenheit. Nicht nur, weil sich erstmals seit dem Jahr 2000 in der Endspielserie wieder Erster und Zweiter der Hauptrundentabelle treffen, sondern weil die DEL sich da gerne an Amerika orientiert. Also: Sängerin in Robe, Hymne (diesmal passend, da zehn deutsche Silbermedaillengewinner auf dem Eis standen), Lichtermeer – und Prominenz in der ausverkauften Halle: Verbandspräsident Franz Reindl, Fußballstar Joshua Kimmich – und ein paar der Münchner Adabeis.
In allen ersten Spielen der diesjährigen Playoffs hat sich der EHC schwergetan, er hat gegen Bremerhaven im Viertelfinale mit einer Niederlage (nach Verlängerung) begonnen, gegen Mannheim in der nächsten Runde (4:2-Sieg) von Schiedsrichterentscheidungen profitiert. Und gegen Berlin war vom Markenzeichen Selbstbewusstsein des Meisters zunächst wenig zu sehen, erst ab Mitte des zweiten Drittels kam der EHC in die Gänge und ins Tempo.
Nach 70 Sekunden schon das 1:0 für die Berliner durch MacQueen, der selbst ein wenig erstaunt wirkte, dass kein Münchner Verteidiger in der Nähe und das Tor nach einem Scheibenabpraller von EHC-Torwart Aus den Birken fast leer war. Die Münchner wirkten etwas irritiert, dass die Eisbären die Initiative übernahmen, und ein Kennzeichen dieser frühen Phase des Spiels war, dass die Berliner mit Leichtigkeit in den „slot“, die Gasse vor dem Tor, in der Schüsse am aussichtsreichsten sind, kamen, die Münchner fast gar nicht, Ihr Ausgleich war eher ein Zufallsprodukt, erzielt durch Jon Matsumoto in einem Nachschuss aus der Drehung´(12.). Und: In der Defensive fehlte bisweilen die Zuordnung, die Scheiben flutschten durch, zum 1:2 (15.) auf die Kelle von Backman, der im Pauseninterview bei Telekomsport bekannte, „dass ich ziemlich nervös war“. Sah man ihm aber nicht an. Dafür den Münchnern, deren Rückstand sich in der 25. Minute auf 1:3 erhöhte (Sheppard). Kurz zuvor hatte schon Oppenheimer bei einem Break dieses Tor auf dem Schläger.
Dann wurde der EHC besser, Maceks Tor zum 2:3 stand am Ende einer dieser Kombinationen, wie sie ein Don-Jackson-Team jederzeit abrufen kann. Berlin ging mit einer 3:2-Führung aus dem zweiten Drittel, sie wirkte etwas glücklicher als die 20 Minuten zuvor.
Bei den Eisbären hat sich eine besondere Sturmreihe gefunden: Louis-Marc Aubry, Marcel Noebels, Andre Rankel. Sie vereinen physische Robustheit mit Strategiekenntnis und spielerischer Eleganz. Mit diesem Mix sorgten sie für Alarmauslösung beim EHC. Typisch dann, wie das 4:2 entstand: Der Münchner Christensen verlor gegen den Berliner Topsturm in der Vorwärtsbewegung den Puck, sofort hatten die Eisbären Überzahl vor dem Tor, Rankel spielte den Pass, Aubry setzte die Scheibe ins Toreck (55.). Das Polster brauchte Berlin, weil Aucoin München 53 Sekunden vor Schluss noch auf 3:4 heranbrachte. Aber mehr ging nicht gegen Berlins guten alten (40) Goalie Petri Vehanen..