Gegengift als Ansporn

von Redaktion

Pep Guardiola erlebte mit ManCity die bitterste Woche seiner Amtszeit und blickt trotzdem voraus – bis 2020, wie Biograph Perarnau verrät

von hanna raif

München – Es vergeht keine Woche ohne dieses Telefonat zwischen Madrid und Manchester. Und natürlich, sagt Martí Perarnau, hat er auch dieser Tage mit Pep Guardiola gesprochen. Am Apparat war ein Mann, der gefasst war, ganz anders als noch am Dienstagabend auf der Tribüne und später in den Katakomben des „Etihad Parks“. „Es war eine harte Woche für Pep – und das nach zehn süßen Monaten mit Manchester City“, sagt Perarnau. Und trotzdem sei die Gemütslage des ehemaligen Bayern-Trainers: „Einfach glücklich.“

Die Worte des 63-Jährigen, der zu Münchner Zeiten zwei Bücher über Guardiola geschrieben hat und als Intimus des heutigen Coaches von ManCity gilt, muss man erst mal deuten. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung ist Guardiola ja in den vergangenen Tagen krachend gescheitert. Zunächst platzte die Meister-Party beim 2:3 gegen Manchester United, und drei Tage später im Viertelfinale der Champions League, ausgerechnet gegen den von Jürgen Klopp trainierten Liga-Konkurrenten aus Liverpool, der laut Perarnau „das perfekte Gegengift zum Pep-Fußball“ spielen lässt. Um den Titel der Premier League sechs Spieltage vor dem Saisonende feiern zu können, ist er an diesem Wochenende auf ein Straucheln von ManU angewiesen. Die bittere Pointe der bisher wohl schwersten Phase seiner Zeit in England.

Man hat den Spanier diese Woche schimpfen, ausrasten und verzweifeln sehen, Zeilen gelesen wie „Guardiola am Boden“. Perarnau musste bei der Zeitungslektüre nicht nur ein Mal schmunzeln. Er hat Verständnis dafür, dass Guardiola an der Seitenlinie der Kragen geplatzt ist. Weil ihn eine „spezielle Geschichte“ mit Schiedsrichter Antonio Mateu verbindet, der ihn „mal wieder benachteiligt“ habe. Weil Guardiola ein emotionaler Mensch sei. Und vor allem, „weil Pep kein schlechter Verlierer ist“. Das müsse man mal klarstellen.

Es ist nicht immer ganz einfach, einen Menschen gut zu kennen, der für die meisten anderen ein Mysterium ist. Perarnau schreibt aktuell kein Buch über Guardiola („vielleicht wieder in zwei, drei Jahren“), ist aber nah dran wie kaum ein Zweiter. Er weiß, wie der angeblich beste Trainer der Welt tickt, denkt, fühlt. Und er versichert, dass Guardiola sich nicht über einen Champions League-Titel definiert. Den hat er mit keinem anderen Team als „seinem“ Barca (2009, 2011) feiern können – na und? „Pep ist glücklich über die Spielweise seines Teams“, sagt Perarnau: „Die Spieler verstehen ihn jetzt! Das macht ihn stolzer als jeder Henkelpott.“

853 Millionen Euro hat ManCity seit der Verpflichtung von Guardiola in neue Spieler investiert, und zwar mit Sicherheit für Titel und nicht für Schönheitspreise. Und trotzdem sieht man Guardiola auf dem richtigen Weg. „Peps Fokus“, sagt Perarnau, „lag von Beginn der Saison an auf der Premier League“, die er mit seinem Team sehr lange sehr beeindruckend dominierte. Zwei Jahre hat Guardiola sich selbst für den großen personellen Umbruch bei den Citizens gegeben, jetzt will er die Früchte ernten. „In der nächsten Saison“, sagt Perarnau, „wird er sie besser spielen lassen als die Bayern im dritten Jahr.“ Das Gütesiegel des nationalen Titels soll die Basis sein für mehr. Für die Titelverteidigung und den nächsten Schritt in der Königsklasse.

Dass die Auslosung der Champions League am Freitag ohne ManCity stattfand, hat Guardiola schon nicht mehr tangiert. Er blickt nach vorne, weit nach vorne, „mein Gefühl ist“, sagt Perarnau, dass er seinen 2019 auslaufenden Vertrag bald „um mindestens ein Jahr verlängert“. Absurde 23 Millionen Euro will ManCity sich die Unterschrift kosten lassen. Schön zu haben, aber darum geht es nicht. Für Perarnau ist Guardiola „ein besserer Trainer als je zuvor, fachlich top, menschlich nah an den Spielern“. Daran kann auch diese Woche nichts ändern.

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