München – „Grüß Gott“, sagte Jupp Heynckes, als er den Raum betrat, schickte aber nur wenige Sekunden später bereits ein „Buenos dias“ hinterher. Der Trainer des FC Bayern war erkennbar aufgeräumt an diesem Freitagmittag. Vergnügt stellte er fest, „dass die Journalisten im Moment hochzufrieden sind“, weil es so viele spannende Themen gebe, und ließ sich auch sonst keine Pointe entgehen. Von Hader über ein äußerst anspruchsvolles Champions League-Los keine Spur. Im Gegenteil: Die zwei anstehenden Duelle mit Real Madrid am 25. April und 1. Mai empfindet Heynckes als „Knallerpartien“ und „Gigantentreffen“.
Allein schon aus persönlichen Gründen fühlt sich Heynckes dem spanischen Fußball verbunden. Nicht zuletzt dem königlichen Hauptstadtklub, den er 1998 zum achten von bislang zwölf Titeln in der Champions League (bzw. dem Europapokal der Landesmeister) führte. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie hoch die Ansprüche sind. Damals, vor zwanzig Jahren, musste er trotz seines Coups gehen, weil Real in der Meisterschaft geschwächelt hatte.
In diesem Jahr ist es ein bisschen ähnlich. In der Liga ist man längst abgehängt, nur ein Triumph in der Königsklasse, wo man in den vergangenen beiden Jahren das Finale gewann und insgesamt drei Mal seit 2014, würde die Saison retten. Der Viertelfinal-Erfolg über Juventus Turin kam am Ende zwar unter grenzwertigen Bedingungen zustande (umstrittener Elfmeter in der Nachspielzeit), dennoch ist der Aufschwung seit Beginn der K.o.-Spiele beeindruckend. Vor den Italienern bekam bereits Paris St. Germain zu spüren, dass Real ein Team für die ganz großen Momente ist.
Der Tenor in München lautet: Es wird hart, aber so ist das halt, wenn man hohe Ziele hat. „Wer die Champions League gewinnen will, muss die Besten schlagen“, erinnert Präsident Uli Hoeneß. Als „tolles Los“ bezeichnet Karl-Heinz Rummenigge Real, „das zwei spannende Spiele verspricht, auf die ich mich sehr freue“. Wobei im Fall des Vorstandsvorsitzenden auch die Aussicht auf eine knackige Revanche ein wichtiges Motiv sein könnte. Beim letzten Aufeinandertreffen vor einem Jahr, damals im Viertelfinale, beklagte Rummenigge anschließend eine desolate Schiedsrichterleistung und zog das drastische Fazit: „Wir sind beschissen worden.“
So würde Jupp Heynckes das nicht ausdrücken. Er beteuert, er halte „überhaupt nichts davon, Polemik zu erzeugen“. Dass es eine beeindruckend üppige Anekdotensammlung rund um Real und die Bayern gibt, weiß aber auch der Trainer: Hugo Sanchez’ ewige Provokationen, Klaus Augenthalers Stierkampf-Geste, Juanitos übler Tritt in Lothar Matthäus’ Rücken (der mit einer Fünf-Jahres-Sperre für alle europäischen Wettbewerbe geahndet wurde) oder Pep Guardiolas spektakulär missglückte Offensivtaktik 2014, als den Bayern Reals Kapitän Sergio Ramos mit zwei baugleichen Kopfballtoren fast im Alleingang zum Verhängnis wurde.
Ramos wird auch diesmal wieder dabei sein. Kurzzeitig hatten Zweifel am Einsatz des rustikalen Innenverteidigers bestanden, der gegen Juventus trotz einer Gelbsperre in der Schlussphase im Innenraum aufgetaucht war. Funktionäre sind häufig penibel, aber so kleinlich, einen Schlüsselspieler wegen einer derartigen Petitesse auszuschließen, wollten sie dann doch nicht sein. Es steht schließlich einer der ganz großen Klassiker des europäischen Vereinsfußballs an. Oder, wie Thomas Müller es am Freitag formulierte: „Lasset die Spiele beginnen!“