Unterhaching – So viel Lockerheit ist selten vor einem Halbfinale. Doch die Ausgangslage könnte auch kaum angenehmer sein: Die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching haben in der Vorschlussrunde um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft gegen den VfB Friedrichshafen rein gar nichts zu verlieren. „Die Geschichte ist noch besser als erwartet“, freut sich Manager Hannes Kronthaler, der den österreichischen Serienmeister aus Innsbruck mit Hilfe der Wildcard für Kooperationspartner TSV Unterhaching in die deutsche Bundesliga verpflanzt hat. Vor dem ersten Duell der Best-of-3-Serie am Sonntag (14.30 Uhr) in Friedrichshafen ist den Grenzgängern in ihrer Premierensaison Platz drei bereits sicher.
Doch die Alpenvolleys gehen nicht nur deshalb so gelassen ins Semifinale, weil sie den angepeilten fünften Rang schon übertroffen haben, sondern auch wegen ihrer krassen Außenseiterrolle. Die Häfler vom Bodensee beherrschen die nationale Konkurrenz bislang nach Belieben: Kein Punktverlust in der Normalrunde, Durchmarsch zum Pokalsieg ohne einen einzigen Satzverlust. Selbst die beiden Niederlagen in der Champions League gegen den polnischen Meister Kedzierzyn Kozle, sollten den VfB nicht erschüttern, glaubt Kronthaler: „In Europas Top 6 kann das passieren, dass man verliert. Ich erwarte da keinen großen Einbruch.“
Trotzdem würde der 52-Jährige den Favoriten gerne ärgern: „Unsere Chance ist: Wir können unbekümmert aufspielen, haben überhaupt keinen Druck.“ So sieht es auch Trainer Stefan Chrtiansky: „Wenn wir unser Niveau halten können, ist einiges möglich. Die Jungs sollen Spaß am Spiel haben. Vielleicht können wir die Entscheidung bis zum dritten Spiel hinauszögern.“
Allerdings scheinen die Häfler in dieser Saison der heimischen Konkurrenz nahezu entrückt. Und das ohne das ganz große Volleyball-Spektakel: „Sie sind sehr gut in der Abwehr, leisten sich wenige Fehler, nehmen wenig Risiko, machen keine Sprung- sondern Floataufschläge“, erklärt Alpenvolleys-Sportdirektor Mihai Paduretu das Erfolgsrezept, das die Handschrift von Trainer Vital Heynen trägt. Der Belgier hatte die deutsche Nationalmannschaft mit diesem Stil 2014 zu WM-Bronze geführt.
Sollten die Alpenvolleys die Häfler wider Erwarten doch knacken, dürften sich vor allem die Unterhachinger Fans freuen. Denn laut den Statuten darf der Deutsche Meister nicht in Österreich gekürt werden. Ein mögliches Entscheidungsspiel fände also vor den Toren Münchens statt. Doch die Geschichte wäre dann schon so gut, dass selbst der Tiroler Kronthaler daran seinen Spaß hätte: „Wenn ich in der Best-of-5-Runde so weit bin, dass ich in Innsbruck Meister werden könnte, dann spiele ich auch gern in Unterhaching.“ Umberto Savignano