Garmisch-Partenkirchen – Es ist Finale. Daher: die Hymne bitte! Gut, in der Deutschen Eishockey-Liga2 geht das eine Nummer kleiner als in der richtigen DEL. Im Garmisch-Partenkirchner Olympia-Eissportzentrum kommt die Musik vom Band, drei Cheerleader schwenken dazu Fahnen. Tut’s auch für den SC Riessersee und die Bietigheim Steelers. EHC München und Eisbären Berlin, die gerade die richtige Deutsche Meisterschaft im Eishockey ausspielen, haben da natürlich andere Ansprüche. In München sang die Sport1-Moderatorin Ruth Hofmann, in Berlin spielte vor 14 200 Zuschauern Karat-Gitarrist Bernd Römer ein rockiges „Einigkeit und Recht und Freiheit“.
Mit geringen Abweichungen laufen die Best-of-Seven-Finalserien in DEL und DEL2 parallel – doch die Dimensionen sind andere. Und sie fallen vor allem auf bei einem Besuch in Garmisch. In die große und geschichts-trächtige Halle, in der auf Bannern an die zehn Meistertitel des SC Riessersee (der letzte: 1981) erinnert wird, würden fast 7000 Zuschauer passen. So viele kommen nie, ausgeschlossen. Der werte Besucher sucht sich einen Platz seiner Wahl aus, das ist liebenswürdig altmodisch. Aber es passt halt nicht zu einem Spiel, das außergewöhnlich sein soll.
Zur dritten Finalpartie gegen Bietigheim fanden sich 2518 Zuschauer. Man kann es damit erklären, dass im Fernsehen Fußball kam (Leverkusen – FC Bayern), dass Dienstag kein Eishockey-Tag ist, dass gerade wenige touristische Laufkundschaft im Werdenfelser Land ist, dass ein drittes Finalspiel beim Stand von 1:1 auch noch keine Entscheidung bringt. Und doch sagt Riessersees Coach Toni Söderholm, der aus Finnland stammt, einem Eishockey-Hochkulturland: „Ich bin enttäuscht. Das ist es nicht, wofür meine Spieler das ganze Jahr gekämpft haben. Ich bin aber kein Auto- und kein Ticketverkäufer, ich kann es nicht erklären, was Riessersee mehr hätte machen müssen.“
Es wird also wohl daran liegen, dass eine Meisterschaft in der DEL2 nichts ist, was einen Klub entscheidend voranbringt. Zumindest nicht in die DEL, denn zwischen den Profiligen des deutschen Eishockeys besteht kein Übergang via sportlicher Qualifikation. Die Bietigheim Steelers sind von diesem System auf die härteste Art und Weise betroffen: Sie stehen gerade zum sechsten Mal in Folge im Finale der Zweiten Liga. Sie gehören wie Riessersee zu den sechs Klubs, die ihren Aufstiegswillen bekunden – doch die Sache stockt auf dem juristischen Weg.
Auf dem Eis geht es zwischen Riessersee und Bietigheim also nicht um das eine große Ziel, sondern nur um sekundäre Werte: Zeigen, wer der bessere ist. Darum ist dieFinalserie der DEL2 sehr viel anders als die der DEL: Ohne Aufgebrachtheiten, ohne Fiesemetanten, allerdings auch ohne typische Finalintensität. Erklärbar: „Beide Klubs sind schon durch Viertel- und Halbfinale mit nur drei Reihen gegangen“, so Bietigheims Coach Kevin Gaudet. Mit Matt McKnight ist ihm sein bester Spieler ausgefallen, „das ist für uns ein Minus. Bei Riessersee ist aus München ein Spieler von der Klasse Andi Eders dazugekommen, ein klares Plus. Somit doppeltes Minus für uns.“
Die Finaltrainer in der DEL2 sind redseliger als ihre Kollegen in der DEL (Don Jackson, Uwe Krupp), die wenig verraten wollen und immer das Gleiche sagen („Danke – und am Freitag geht’s weiter“). Gaudet indes legt seine Grundeinstellung offen („Defence gewinnt in jedem Sport, ob Fußball, Eishockey, Basketball“), Söderholm sucht „nach dem X-Faktor. Der hat uns gefehlt. Einige unserer Entscheidungen waren langsam oder nicht schlau.“ Sein Team verlor 1:2 und liegt nach Spielen 1:2 hinten. Aber: „Wir haben genug Seele und Leidenschaft, um zurückzukommen.“
Danke, und am Freitag geht’s weiter. Günter Klein