„Die Mannschaft“ – das ist eigentlich nicht der Slogan, den der FC Bayern sich ausgedacht hat. Und trotzdem meinte Thomas Müller seine Aussage nach dem 6:2 in Leverkusen genau, wie er sie gesagt hatte. Sie bezog sich auf das zwischenzeitliche 5:1, einem Schuss von Arjen Robben, den der Nationalspieler abfälschte. Als Torschütze war Müller vermerkt, der Treffer war aber eine waschechte Münchner Gemeinschaftsproduktion. Also, so Müller: „Die Mannschaft hat das Tor erzielt.“
Das sind Worte, die man als „klassischen Müller“ verbuchen und schnell abhaken kann. Man kann sie aber auch hinterfragen nach tieferem Sinn – und wird mit Blick auf den momentanen Zustand dieses FC Bayern fündig. Egoismen, Eitelkeiten und Eigenheiten sucht man auf der Zielgeraden der Saison vor und hinter den Kulissen vergeblich. Der Star ist das Team, „die Mannschaft“, und da gibt es durchaus Parallelen zu jener Truppe, für die der Slogan einst entworfen wurde
Auch für den WM-Titel der deutschen Nationalmannschaft war vor vier Jahren kein herausragender Einzelkämpfer verantwortlich, sondern ein funktionierendes Kollektiv. 23 Männer, die sich gemeinsam in einen Rausch spielten, der Eigendynamik entfalten konnte. Den Endspurt einer ganzen Spielzeit kann man ja durchaus mit einem Turnier-Zeitraum vergleichen. Läuft es, dann läuft es – und aktuell wirkt es nicht so, als seien die Bayern von irgendjemandem zu stoppen.
Es ist nicht mal nur die fußballerische Qualität dieser vergleichsweise alten Truppe – im Schnitt war die Startelf im Pokal-Halbfinale 29,3 Jahre alt –, sondern vor allem die Mentalität, die Jupp Heynckes ihr eindrucksvoll eingeimpft hat. Liegen die Bayern zurück (wie in Augsburg oder Sevilla), lassen sie sich nicht hängen. Führen sie schnell (wie gegen Dortmund und in Leverkusen), gibt es selten Zweifel an einem hohen Sieg. Und geht es ums Überleben (wie gegen Sevilla), können sie auch ein Ergebnis verwalten. Weil alle an einem Strang ziehen, in dieselbe Richtung blicken. Und weil alle diesem Trainer folgen, der die unterschiedlichsten Charaktere richtig anzupacken weiß.
Einen augenrollenden Robert Lewandowski oder einen schimpfenden Arjen Robben hat man zuletzt nicht gesehen, genauso lange wie irgendeinen der Top-Spieler im Formtief. Die Hausaufgaben sind gemacht, die Ausgangslage könnte besser nicht sein für die Duelle mit Real. Auch das sollte schon was zählen – und nicht vergessen werden, wenn in zwei Wochen das Ergebnis analysiert wird.