Die Übermacht in Überzahl

von Redaktion

4:1 und 2:1-Serienführung für den EHC: Eisbären nehmen zu viele Strafen, die Münchner schlagen daraus Kapital

Von Günter Klein

München – Die Finalserie in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist wieder im Lot. Nach drei (von möglichen sieben) Runden führt Meister EHC München mit 2:1. Nach zwei Erfolgen der Auswärtsteams war der erste Heimsieg fällig. Ein sehr überzeugender: 4:1 (1:0, 2:0, 1:1) gewannen die Münchner. Vor dem nächsten Spiel am Freitag (19.30 Uhr) in Berlin haben sie den Druck erst mal von ihren Schultern genommen. Das beruhigende Wissen: Ab jetzt brauchen sie nur die Heimspiele zu gewinnen, um den Titel zu verteidigen.

Die Eisbären Berlin spielten im ersten Dritte drei gefällige Minuten, die an ihren couragierten Auftritt zum Aufkat der Serie erinnerten, doch 17 Minuten, in denen sie extrem abhängig waren von Petri Vehanen, ihrem 40-jährigen finnischen Goalie, dem Irrwisch auf der Torlinie. Mit dem 0:1 zur ersten Pause war Berlin gut bedient.

Was sich schnell bestätigte: Der EHC München kann einfach vorzüglich Überzahl spielen. In der Hauptrunde war er in dieser Kategorie gehobenes Mittelfeld, in den Playoffs ist es das beste Powerplay, das man spielen kann. Trainer Don Jackson hat zwei Formationen mit je einem Verteidiger und vier Stürmern, ohne Hektik läuft die Scheibe, dennoch kommt schnell der Abschluss. Zum 1:0 durch Yannic Seidenberg benötigte der EHC 55 Sekunden, zum 2:0 (Jon Matsumoto) 31, zum 3:0 (Michael Wolf) waren es 30 Sekunden. Wie schon am Sonntag in Berlin kassierten die Eisbären zu viele Strafen. Alles für lässliche Sünden wie Beinstellen und Haken – doch der EHC durfte sich eingeladen fühlen.

Wobei die Überzahlsituation, die das 1:0 ermöglichte, eine Vorgeschichte hatte. Eine der handelnden Figuren: Steve Pinizzotto, Münchens Reizfigur – wer auch sonst? Pinizzotto attackierte den Eisbären James Sheppard. Das sahen die Schiedsrichter Andre Schrader und Daniel Piechaczek nicht, wohl aber den Antwort-Crosscheck von Sheppard – und Pinizzottos dramatisches Zusammensacken. Zwei Minuten für Sheppard, keine Strafe für Pinizzotto, er durfte bleiben und war an der Vorbereitung des 1:0-Treffers beteiligt.

Nach einem weiteren Zusammentreffen ließ Sheppard seinen Münchner Gegner gestenreich wissen, was er von ihm halte; „Diver.“ Fallenlasser, Schauspieler. Die Szene diesmal: Nach dem Tor zum 3:0 gab Pinizzotto zwei Berlinern noch einen mit, Sheppard fuhr die Faust aus, Pinizzotto ging zu Boden. Die beiden Herren unterhielten sich dann auf der Strafbank über den Zeitnehmertisch hinweg weiter. Fraglos: Sheppard war zu sehr mit seiner Privatfehde beschäftigt.

Einen Drei-Tore-Rückstand kannten die Berliner von ihrem Heimspiel, da waren sie 2:5 hinten – und lieferten ein respektables Schlussdrittel ab. Das taten sie auch gestern, kamen – auch ihnen gelang mal ein Überzahlspiel – durch Petersen zum Anschluss und nahmen sich vor, „noch einmal richtig zu drücken“, so Andre Rankel im Bandeninterview bei Telekomsport. In ihrem Sturm und Drang wurden die Berliner konteranfällig, Patrick Hager nagelte den Puck zum 4:1 für den EHC ins Eck (52.). Das war’s.

Die leichten Personalprobleme merkte man Don Jacksons Team nicht an. In der Verteidigung war nach Markus Lauridsen auch Ryan Button ausgefallen (die EHC-Fans fanden für den Verursacher Mark Olver eine nette Begrüßung), es blieben sechs Verteidiger. Als siebten (für alle Fälle und damit der Spielberichtsbogen voll wird) nominierte Jackson Hagen Kaisler, 22, einen gebürtigen Düsseldorfer aus dem Salzburger Red-Bull-Spielerpool in der Alps Hockey League.

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