München – Andres Iniesta trägt einen Lorbeerkranz. Er blickt majestätisch in die Ferne, ganz der Visionär, der er auf dem Fußballplatz ist. Auf dem schwarz-weiß gehaltenen Bild aber trägt er kein Trikot zu dem Ehrenzeichen auf seinem Haupt, er steckt in einem spanischen Kragen, der sich stilvoll um seinen Hals auffächert. Der Künstler Peter Bräm hat Spaniens Fußball-Nationalmannschaft im Stile von Granden aus dem 15. Jahrhundert festgehalten. Ungewöhnlich. Kreativ. Interessant. Zu sehen im WM-Sammelalbum „Tschutti“.
Auf insgesamt 522 Stickern werden die Russland-Fahrer mal ganz anders präsentiert. „Tschutti“ heißt auf Schwyzerdütsch kicken, die Initiative ist auf die Eidgenossen zurückzuführen. Erstmals erschien ein solches Album bei der EM 2008. Seit 2012 ist es auch in Deutschland zu erhalten. Stickertüten mit zehn Bildern kosten 1,70 Euro.
Künstlerwettbewerb mit Beiträgen aus über 60 Ländern
Das Heft wendet sich an Fußball-Fans, die dem Panini-Alter entwachsen sind und dennoch Lust auf Sammeln haben. Der Ansatz ist bewusst alternativ gewählt, „wir wollen eine Symbiose aus Fußballkultur und Kunst herstellen“, erklärt Initiator Silvan Glanzmann. Seit der WM 2014 konnten sich Künstler aus aller Welt für das Album 2018 qualifizieren, man hatte einen internationalen Wettbewerb ausgerufen. Die Eintrittskarte, um von der zehnköpfigen Jury (darunter der deutsche Comic-Autor Christoph Härringer) geprüft zu werden, war ein Porträt der argentinischen Ikone Diego Maradona („Hand Gottes“) zu illustrieren. Insgesamt gingen mehr als 500 Beiträge aus über 60 Ländern ein. Daraus wurden 32 Künstler ausgewählt, vier aus Deutschland, die die 84 Seiten befüllten. Jedes Team besteht aus elf Spielern, Trainer und Wappen. Die Zeichner stammen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Russland, den USA, Iran, Indonesien und Kolumbien. Der Kölner Ronny Heimann bekam den Zuschlag für die DFB-Auswahl.
Die Macher verstehen das Heft auch als ein Zeichen gegen den wachsenden Kommerz im Fußball. „Uns geht es nicht um Profit“, sagt Glanzmann, „wir möchten den Sport wieder mit mehr Leidenschaft und Kultur in Verbindung bringen.“ Die Erlöse kommen zu Teilen karitativen Zwecken zugute. Schon jetzt steht fest, dass auch zur EM 2020 ein „Tschutti“-Album herausgebracht wird.