Wir haben dem 1. FC Kaiserslautern immer alles nachgesehen.
Das Taubenvolk unterm Stadiondach, das uns gepflegt auf den Anorak schiss. Die Tatsache, dass es bei Spielen Pferdeknackwurst zu essen gibt (was irgendwie barbarisch anmutet). Und selbst die Dusche aus Hass und Bier, die uns mal traf, als wir am Spielerausgang warteten, um die Akteure des FC Bayern zu sprechen nach einer der hitzigen Schlachten am Betzenberg – verziehen.
Das ist ja nun auch einige Zeit her. Spiele gegen den FC Bayern stehen schon länger nicht mehr auf dem Plan, wahrscheinlicher sind Lauterer Spiele gegen den TSV 1860, sie könnten nächstes Jahr schon stattfinden. Beide Vereine bewegen sich auf die 3. Liga zu. Die Löwen von unten, die Roten Teufel von oben. Das könnte ein tolles Duell werden.
Ist aber die einzige Aussicht, mit der sich Kaiserslautern eine künftige Existenz in der 3. Liga schön reden kann. 2. Liga ist bereits unschön für einen Klub, der seine Stadt berühmt gemacht hat, weil er in der 1. spielte und wiederholt Meister wurde, 3. Liga ist grausam.
An dieser Stelle könnte man klagen, dass das eben der Lauf der Zeit ist. Dass Kaiserslautern als Kleingroßstadt und in einer strukturschwachen Region gelegen, nicht mithalten kann im modernen Fußball.
Vor zehn, fünfzehn Jahren hätte diese Argumentation noch gegolten. Heute wird Fußball aber anders finanziert, standortunabhängiger. Über Fernseheinnahmen, über Investments, über Konzepte, mit denen man ein Markenbild von sich schafft. So können sich Augsburg, das ewig in der Amateur-Anonymität spielte, oder die klugen Freiburger die Bundesliga leisten. Und taucht in ihr womöglich Holstein Kiel auf, obwohl es dem Bundesland entstammt, das noch nie einen Erstligisten zu bieten hatte (Schleswig-Holstein). Kaiserslautern ist seit jeher eine Marke, ein St. Pauli ohne Totenkopf, ein bundesweit geachtetes Stimmungszentrum („Der Betze brennt“) – doch hat einfach über Funktionärsgenerationen gemurkst: von Atze Friedrich bis Stefan Kuntz.
Als Traditionalist wünscht man dem FCK die Wiederkehr mindestens in die 2. Liga. Und die Einsicht, dass Pferdefleisch out ist.