Dingolfing – Marco Sturm hatte gestern „meinen freien Tag“. Frei in dem Sinne, dass er keine Schlittschuhe anziehen, kein Training leiten, nicht an der Bande stehen oder sich überlegen musste, wen er final für die Eishockey-WM in Dänemark (ab 4. Mai) nominiert. Zu tun blieb trotzdem genug: Am Vormittag Marketing, am Nachmittag Termin in seiner Geburts- und gefühlt immer noch Heimatstadt Dingolfing: Er nahm die Ernennung zum Ehrenbürger entgegen und freute sich darüber, dass die Eishalle in dem niederbayerischen Städtchen (19 000 Einwohner) fortan seinen Namen tragen wird: „Marco Sturm Eishalle“.
„Wenn wir schon einen weltbekannten Dingolfinger haben“, sagte Bürgermeister Josef Pellkofer feierlich und führte aus: „Als Spieler in der NHL und nun auch als Trainer erfolgreich.“ Der Gewinn der olympischen Silbermedaille in Pyeongchang hat das Interesse am Eishockey und seinen handelnden Personen massiv erhöht. Die Stadt Dingolfing fragte bei Marco Sturm offiziell an, „ob wir deinen Namen verwenden dürfen“. Er hatte nichts dagegen. „Jede Ehrung“, sagt Sturm glaubhaft, „ist etwas Besonderes für mich“.
„Die Eishalle und du, ihr seid ungefähr gleich alt“, sagte Bürgermeister Pellkofer zu Sturm, 39. Gespielt hat er hier aber gar nicht so oft. Früh zeichnete sich sein außergewöhnliches Talent ab, „ich bin im Nachwuchs des EV Landshut groß geworden“. Gleichwohl blieb Dingolfing seine Heimat. Sturm richtet den Blick auf das Gemäuer, auf dem nun an zwei Stellen sein Name verewigt ist und verrät mit einem Marco-Sturm-Lachen: „An den Montagen war ich da immer zum Discolauf.“
Dann kam der Neu-Ehrenbürger auch noch dem Wunsch nach, die örtliche Blaskapelle zu dirigieren. „Wer mit Eishockey-Mannschaften fertig wird, schafft das auch mit uns“, hatte der Leiter erklärt. Im Publikum sagte eine Frau angetan: „So schön ham’s noch nie g’spielt.“
Ab heute muss wieder Sturms Nationalteam schön spielen. Es geht zu zwei Tests nach Dänemark. Günter Klein