Miesbach – Eiszeit zwischen Ehrenbürgerin und Rathaus-Chefin: Die Nachricht vom geplatzten Empfang der Kreisstadt für ihre Olympiasiegerin Natalie Geisenberger lässt weder die unmittelbar Beteiligten noch die Miesbacher Einwohner kalt. Am Tag nach Bekanntwerden der Dissonanzen hat sich auf Facebook eine hitzige Diskussion entzündet. Auch die Rodlerin selbst meldete sich zu Wort. Sie fühlt sich nicht verstanden – und platzierte eine Bitte an Bürgermeisterin Ingrid Pongratz.
Rückblick: Der „Miesbacher Merkur“ hatte gestern berichtet, dass es im Nachgang der Olympischen Spiele von Pyeongchang zu Dissonanzen zwischen Geisenberger und der Miesbacher Bürgermeisterin Ingrid Pongratz gekommen sei. Weil die Stadt verpasst hatte, ihre erfolgreiche Ehrenbürgerin nach deren Rückkehr angemessen zu würdigen, sei diese zutiefst gekränkt gewesen. Das Rathaus schob das Versäumnis auf die Abwesenheit der im Urlaub befindlichen Pongratz, deren Entschuldigungsversuche von Geisenberger angeblich nicht angenommen wurden. Einen Empfang soll es nun, mehr als zwei Monate nach dem Doppel-Gold von Pyeongchang, nicht mehr geben. Zudem soll Geisenberger ihre für 1. Juni geplante Hochzeit auch nicht in Miesbach stattfinden lassen.
Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken pendelten gestern zwischen Ablehnung und Zustimmung – und Geisenberger selbst ordnete sie als „teilweise verständlich“ ein. In Richtung ihrer Kritiker merkte sie an, man solle in jedem Fall vorsichtig sein, „Menschen aufgrund von Mutmaßungen oder Gerüchten zu verurteilen“. Dies macht die 30-Jährige vor allem an der Darstellung fest, dass das fehlende Transparent ihre Missstimmung ausgelöst habe. „Alle Beteiligten wissen, dass es sich so eben nicht verhalten hat“, sagt Geisenberger. Die Wahrheit sei eine „ganz andere“.
Wie sie genau aussieht, wollte die Sportlerin auf Nachfrage unserer Zeitung nicht sagen. Wie berichtet, hatte auch ihr Vater und Manager Helmut Geisenberger keine Stellungnahme abgegeben. Vielmehr erwartet die Rodlerin nun von der Bürgermeisterin, die Sache „in den kommenden Tagen richtigzustellen“. Das habe sie Pongratz auch in einer persönlichen Nachricht so geschrieben. Eine Antwort habe sie noch nicht bekommen. Sollte Pongratz ihrer Bitte nicht nachkommen, werde Geisenberger ihrerseits „die Wahrheit veröffentlichen“.
So wird es wohl kommen – denn die Rathaus-Chefin sieht sich nicht in der Bringschuld. „Ich weiß nicht, was es noch dazu zu sagen gibt“, sagte Pongratz auf Anfrage. Falls es für Geisenberger noch Klärungsbedarf gebe, müsse sie ihr Anliegen konkret benennen. Am liebsten in einem persönlichen Gespräch, meint die Bürgermeisterin: „Das Angebot besteht weiterhin.“ Von den Facebook-Reaktionen habe sie ohnehin nichts mitbekommen: „Ich bin da nicht angemeldet und ich werde mich auch nicht anmelden.“
Keine Rolle gespielt hat der Zwist übrigens beim Empfang, den Geisenbergers Heimatverein SV Miesbach der Doppel-Olympiasiegerin bereitet hat. „Das hat da nicht interessiert“, berichtet SV-Vorsitzender Stefan Griesbeck. Rund 40 Freunde und Fans hätten im Vereinsheim gemeinsam mit Geisenberger gefeiert. Mit Videos aus Pyeongchang habe man sich nochmals richtig in Olympia-Stimmung versetzt, erzählt Griesbeck. „Es war ein sehr schöner Abend.“ Ganz ohne Differenzen.