Ne kölsche Jung

von Redaktion

Jonas Hector bleibt dem 1. FC Köln auch im Abstiegsfall treu – trotz lukrativer Angebote

München – Es gäbe ja auch in München eine Kölner Gemeinde, so ist es nicht. Kölsch in Bayerns Hauptstadt aufzutreiben, ist keine Unmöglichkeit, und regelmäßig wird im „Sweet Club“ Karneval zelebriert, das ganze Jahr über, mit dem kompletten Liedgut vom Rhein. Allerdings ist es mit den Kölnern und München oft so eine Sache. Während sich jeder andere Preiß’ an der Isar schnell assimiliert (sehr zum Leidwesen manchner Münchner), befällt Leute aus der Domstadt oft rätselhaftes Heimweh. Lukas Podolski wurde auch nie glücklich, trotz Bayern-Vertrags.

Jonas Hector soll auf der Liste des deutschen Rekordmeisters gestanden sein, auch Borussia Dortmund war interessiert. Neulich wurde sogar bereits der Zuschlag für den BVB kolportiert, doch gestern nun pulverisierte der Nationalspieler sämtliche Gerüchte um seine Zukunft. Er bleibt in Köln, auch wenn es, was sehr wahrscheinlich ist, in die Zweite Liga geht. Dass die Kölner so eine harte Saison hatten, lag auch daran, dass Hector die komplette Hinrunde verpasst hatte. Er wurde mit einem Syndesmosebandriss schwer vermisst.

Ein deutscher Nationalspieler mit Köln in der Zweitklassigkeit, das erinnert an Podolski, der seine DFB-Karriere einst im Tiefparterre des Profifußballs gestartet hatte. Auch, als er nach drei unglücklichen Jahren in München 2009 zurück in seine Heimat wechselte, spielte er dort lieber gegen den Abstieg als mit den Bayern um Titel. Hector ist aus dem gleichen seltsamen Kölner Holz geschnitzt, offensichtlich. „Der 1. FC Köln hat mir den Weg von der Regionalliga bis in die Nationalmannschaft ermöglicht“, so der 27-Jährige, „ich bin diesem Klub sehr verbunden, dankbar und fühle mich in Köln sehr wohl.“ Es wäre problemlos möglich gewesen, nach der Saison zu einem anderen Verein zu wechseln, meinte er, „aber für mich fühlte sich das nicht richtig an“.

Die „Brings“, eine kölner Kultband, hat die Hymne „Ne kölsche Jung“ verfasst – sie passt zu Typen wie Podolski und Hector, die ihre Heimat dem Geld vorziehen. Podolski gelang das zumindest phasenweise, ehe er doch noch halb Europa abklapperte und bis nach Japan umzog – wobei ihn der Abstieg aus der Stadt trieb. Hector hätte im Sommer von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen können. Stattdessen verlängerte er seinen Vertrag bis 2023.

Im Sommer reist er mit der DFB-Auswahl zur WM nach Russland. Der Linksverteidiger ist – bleibt er verletzungsfrei – einer der Wenigen, die einen Stammplatz in der ersten Elf des Weltmeisters sicher haben. Nicht nur in Köln wissen sie, was sie an ihm haben. ANDREAS WERNER

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