Sehnsucht nach Sternen

von Redaktion

Bayern gegen Real ist Lewandowski gegen Ronaldo – beide sind nicht mehr jung, aber in Topform

von hanna raif

München – Es ist ja nicht so, als hätte es diese eine Sternstunde nicht schon gegeben. Auf den Tag genau fünf Jahre ist es heute her, dass Robert Lewandowski in den spanischen Zeitungen mit spektakulären Beinamen geschmückt wurde. Man las da vom „polnischen Panzer“, von einer „Dampfwalze“ und vor allem: Vom „Albtraum für Real Madrid“. Die einhellige Meinung: Wer – damals im Trikot des BVB – vier Tore gegen die Königlichen schießt und Cristiano Ronaldo überstrahlt, der kann ja eigentlich nicht von dieser Welt sein.

Der Name Lewandowski war bis zu jenem Abend, an dem Dortmund Real auf dem Weg ins Wembley-Finale spektakulär mit 4:1 überrollte, Branchenkennern ein Begriff. Spanische Fans aber hatten sich, verwöhnt von einer Liga mit den Protagonisten Lionel Messi und Ronaldo, keine Gedanken über ausländische Stürmer gemacht. Das änderte sich schlagartig. Kaum eine Transferperiode ist seit April 2015 vergangen, in der der Name des Polen nicht mit dem Titelverteidiger der Champions League in Verbindung gebracht wurde, der morgen zum Halbfinal-Hinspiel beim FC Bayern gastiert. Dass es wohl bei einem Dauer-Flirt bleiben wird, ist allein dem Umstand geschuldet, dass fünf Jahre vergangen sind. Knapp 2000 Tage, an denen Lewandowski eine weitere internationale Sternstunde nicht gelungen ist.

„Ich hoffe, dass er in den Spielen, wo es drauf ankommt, ein ganz wichtiger Mann für uns werden wird“, sagte Bayern-Coach Jupp Heynckes dieser Tage. 28 Tore sind dem 29-Jährigen in dieser Saison schon gelungen, das letzte beim 3:0 am Samstag in Hannover. Alles Vorgeplänkel. Wie wichtig es ist, in den großen Partien zu liefern, zeigt alleine der Blick auf die vergangene Spielzeit. Da sei zwar „alles anders als jetzt“ gewesen, sagte Lewandowski gestern dem „kicker“ und erinnerte sich an das Viertelfinal-Rückspiel, in dem er angeschlagen gewesen sei und sich „gequält“ habe. Und trotzdem konnten 30 Bundesliga- und fünf Champions League-Treffer nicht entschädigen für seine Performance beim Aus gegen Real.

Man sagt Lewandowski ja nach, dass er gerne das wäre, was Cristiano Ronaldo – sein Gegenüber morgen Abend – ist. Real-Spieler? Sein unerfüllter Traum. Weltfußballer? Als Spieler der Bundesliga schwer möglich. Dann wenigstens eine Marke verkörpern, die weltweit unverkennbar ist. Unter anderem den Torjubel, das „X“ mit den Armen, hat er perfektioniert, genau wie seinen Auftritt mit Ehefrau Anna in den sozialen Netzwerken. Er ist schon jemand im Weltfußball. Aber er ist kein Ronaldo.

Uli Hoeneß sagt über den Portugiesen, er habe ihn „noch nie in schlechter Form gesehen“. Heynckes will ihn mit seinem Stürmer nicht vergleichen.. „Robert ist einer, der vorne in der Spitze spielt, er wird immer attackiert“, sagt der 72-Jährige. Ronaldo hingegen, der im vergangenen Jahr gegen Bayern fünf der sechs Real-Treffer erzielte, komme eher von der Seite und bewege sich „zwischen den Linien“. Auch dem Bayern-Trainer ist aber freilich nicht entgangen, dass der 33-Jährige seine Spielweise im Alter verändert hat. „Überragend“ sei es, wie Ronaldo „nun in er Mittelstürmerposition die Torchancen riecht und vollendet“. Auch der Europameister selbst spricht von der Form seines Lebens. Körperlich, weil er Schlaf, Ernährung, Training und Pausen (auch die akzeptiert er inzwischen) penibel plant. Spielerisch, weil er auf unnötige Wege und Eins-gegen-Eins-Duelle verzichtet, dafür aber vorne den Killerinstinkt hat. In der Königsklasse hat er ihn in der laufenden Saison 15 Mal gezeigt, während Lewandowski bei fünf Treffern steht. Dass Ronaldo dennoch davon sprach, dass – neben Messi, Neymar und Gonzalo Higuain – der Pole ihn „zur Höchstleistung“ treibe, zeigt, wie ernst er ihn nimmt. Spätestens seit 24. April 2013.

Morgen übrigens ist Lewandowski „egal, wie viele Tore ich schieße. Hauptsache, wir kommen weiter“. Nette Floskel. Jeder weiß, wie sehr er von einer Sternstunde träumt. Und allzu viele Gelegenheiten wird es nicht mehr geben.

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