Der Wahnsinn geht in die siebte Runde

von Redaktion

EHC München verliert in Berlin 3:5, es ist die zweite verpasste Meisterchance – Schwache Schiedsrichter

Von Günter Klein

Berlin – Es ist eh schon eine traumhafte Konstellation für ein Playoff-Finale, dass der Hauptrundenerste gegen den Hauptrundenzweiten spielt. Kommt selten vor. Und noch besser in diesem Jahr, in dem das Eishockey durch das Olympia-Wunder nie gekannte Aufmerksamkeit erfährt: Die Serie geht über die Maximaldistanz von sieben Spielen. Der EHC München, der vor wenigen Tagen noch gelassen mit einer 3:1-Führung dastand, hat den 3:3-Ausgleich hinnehmen müssen. Am Dienstagabend bot der Meister der Jahre 2016 und 2017 eine für seine Verhältnisse schwache Leistung, er verlor 3:5 (1:1, 0:1, 2:3). Dagegen haben sich die Eisbären Berlin auf eine Weise zurückgekämpft, dass die man die Rollen vom Favoriten und Außenseiter auflösen kann. Das große Eishockey-Finale steigt am Donnerstag ab 19.30 Uhr in München.

Es war in allen Spielen der Serie so, dass Berlin in den ersten Minuten das aktivere Team war. Doch so klar wie diesmal war die Dominanz noch nie. Man kann es auch so ausdrücken: Der EHC München machte zunächst gar nicht mit. Es gab einen Moment, in dem die offizielle DEL-Statistik 9:0 Torschüsse für die Eisbären verzeichnete; tatsächlich wurde die erste hauchzarte Torbemühung Münchens erst in der 7. Minute registriert. Bezeichnend war auch, wie das 1:0 für Berlin fiel. Ein Diagonalpass von Verteidiger Jonas Müller fand einen völlig frei am linken Münchner Pfosten stehenden Louis-Marc Aubry. Er schoss (4. Minute) das Tor, das kein Torwart mehr verhindern kann.

16:4 Torschüsse standen nach dem ersten Drittel in der Bilanz, dennoch wies die wichtigere Bilanz ein Unentschieden aus. Nach Toren: 1:1. Denn der EHC nutzte eine seiner wenigen Chancen. Auch bei diesem Treffer ergab sich viel Freiraum auf der sonst in Quadratzentimeter umkämpften Eisfläche: Kony Abeltshauser nutzte ihn mit gepflegtem Torschuss zum Ausgleich (9.). Typisch München, das, wenn es mal ins Tempo kam, gefährliche Angriffe fuhr.

Gegen Ende des ersten Durchgangs wurden die ersten Strafzeiten ausgesprochen. Die Partie wurde hitziger. Im zweiten Drittel eine Szene, die die Debatten über die Schiedsrichterleistungen mit frischem Stoff versorgt. Jason Jaffray bekam von Eisbär Jens Baxmann den Ellbogen an den Kopf, er ging zu Boden, Blut tropfte aufs Eis. Gesehen hatte das auslösende Foul keiner der vier Unparteiischen – so ging der Sünder straffrei aus. Jaffray kam nach der zweiten Pause verarztet wieder zurück auf seinen Platz. Dennoch sehr ärgerlich das alles für die Münchner, die deutlich besser geworden waren und auch in Unterzahlsituationen einige ansehnliche Breaks fuhren. Doch das Tor gelang den Eisbären. In der 23. Minute, das 2:1. Offizieller Torschütze war Nick Petersen. Genau genommen war es aber ein Eigentor von Jason Jaffray, der in den Pass des Berliner Sheppards gerutscht war, Jaffray, immer wieder Jaffray. Er fiel an allen Fronten auf: mit der eigenen Aggressivität – und als Zielscheibe der des Gegners.

Topdiszipliniert waren die Münchner halt selbst auch nicht – so kassierte Keith Aulie in der letzten Sekunde des zweiten Drittels eine Strafzeit, die nach der Pause ihre Auswirkung hatte. Lediglich zwölf Sekunden benötigte Berlin, um durch MacQueen auf 3:1 zu erhöhen. Und voller Glückshormone skatete vier Minuten danach Daniel Fischbuch den EHClern davon und vollstreckte zum 4:1. Ab da konnten die Eisbären die Sache nach Hause spielen. Kurzer Alarm noch, als München die übliche Playoff-Schlussoffensive, teils ohne Torwart, aufs Eis legte und durch Christensen und Hager traf – aber auch ein Empty-Net-Goal (Rankel) fing.

Froh über den Ausgang dieser Partie war – nicht nur aus Gründen des Lokalpatriotismus – der Hallenbetreiber. Da für den nächsten Tag ein Konzert angesetzt war, hätte eine Meisterfeier auf dem Eis wegen der Umbaumaßnahmen nach zwanzig Minuten vorbei sein müssen. Und Alkoholverbot hätte auch geherrscht. Der 13 Liter fassende Meisterpokal wäre leer geblieben. Er wird nun definitiv erst am Donnerstag gefüllt. Oder am Freitag, wenn das siebte Spiel sich hinzieht.

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