München – In den vergangenen Tagen hat sich Natalie Geisenberger vor allem gegen Anfeindungen in den sozialen Medien zur Wehr setzen müssen. Jetzt hat sich die Rodel-Königin doch offiziell zu Wort gemeldet. Der Grund: Die Darstellungen rund um ihre geplatzte Olympia-Ehrung durch die Stadt Miesbach. Im Mittelpunkt der langen Presseerklärung der 30-Jährigen: Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Die Rathauschefin habe den Sachverhalt offenbar „einseitig und teilweise falsch“, öffentlich gemacht.
Nach ihrer Rückkehr aus Pyeongchang, so Geisenberger, habe sie selbst mit großem Zeitaufwand an den Vorbereitungen von Glückwunschplakaten und eines offiziellen Empfangs mitgewirkt. Für die Plakate habe sie auf Wunsch der Gemeindeverwaltung in einem mehrstündigen Shooting Bilder mit ihren Medaillen produzieren lassen. Später hatte sich herausgestellt, dass die entsprechenden Plakatwände an den Ortseingängen, von denen Geisenberger nach ihren früheren Spielen gelächelt hatte, diesmal gar nicht verfügbar waren.
Die Ergebnisse eines vierstündigen Treffens bezüglich der Gestaltung eines offiziellen Empfangs durch die Stadt hätten trotz des Mitwirkens zweier Stadträte wenig später keine Rolle mehr gespielt. Für Natalie Geisenberger ein Ergebnis mangelhafter Kommunikation zwischen den städtischen Gremien: „Ist es wirklich an einem Sportler und dessen Familie, zwischen den verschiedenen städtischen Institutionen zu vermitteln?“
Letztlich war bei der Gold-Rodlerin der Eindruck einstanden, dass Miesbach es „als Verpflichtung sieht, mich zu ehren, und dies nicht aus eigenem Antrieb und Freude geschieht.“ Bürgermeisterin Ingrid Pongratz habe sich zwar für die unglücklichen Abläufe entschuldigt. Statt die Pannen zu erklären, habe die Rathauschefin ihr aber eine Frist gesetzt, bis zu der sie entscheiden sollte, ob sie noch einen Empfang wolle oder nicht. Geisenberger lehnte ab, denn: „Ich überlasse es gerne der Meinung jedes einzelnen, ob er denkt, dass dies der passende Stil ist, mit jemand umzugehen, den man ehren will.“
Pongratz selbst räumte zwischenzeitlich Fehler seitens der Stadt ein, es seien „viele unglückliche Umstände zusammengekommen“. Nun hoffe sie, dass sich die Missstimmung der Ausnahme-Sportlerin wieder legt. Nicht aussichtslos, wie auch Geisenbergers Schlussgedanke erahnen lässt: „Nach all den Erklärungen möchte ich nun einen Haken setzen und wieder nach vorne schauen.“ Na dann.