Die Bayern vor dem Halbfinale

Ungeniertes Trippeln

von Redaktion

Am Anfang war es ein Traum. Zumindest hat Jupp Heynckes ihn so genannt, versehen mit dem Hinweis, man könne ihn wahr werden lassen. Spätestens in diesem Moment Anfang März war klar, dass der FC Bayern die Aussicht, die drei großen Titel in einer Saison zu gewinnen, wieder als ziemlich realistisch ansieht. Wenn sich die offizielle Sprachregelung ändert, geht dem ja immer ein längerer Abwägungsprozess voraus.

Jahrelang ist jedem, der das T-Wort (Triple, nicht Traum) in den Mund zu nehmen wagte, der scharfe Hinweis entgegengeschleudert worden, so etwas gelinge nur ganz, ganz selten. Genau genommen ein einziges Mal in 114, 115, 116 Jahren. Es waren die Guardiola-Jahre in München, eine Zeit, als die Erwartungen nicht mehr einzufangen waren. Das lag zum einen an dem Katalanen, dem inoffiziellen Nonplusultra des Vereinsfußballs. Zum anderen aber natürlich an seinem Vorgänger, der die neue Dimension von Erfolg überhaupt erst fühlbar gemacht hatte.

In diesen Tagen macht die Statistik die Runde, wonach Heynckes, wann immer er in der Champions League antrat, auch das Finale erreichte. Man muss das nicht zu ernst nehmen. Es gibt subjektive und objektive Gründe, die Bayern für einen schlüssigen Titelanwärter zu halten, und dieses Zahlenspiel ist ein arg konstruiertes Argument.

Es passt gleichwohl in eine Zeit, in der die Mannschaft im Drei-Tage-Rhythmus ihre Gegner überrollt und sich nur ältere Semester noch erinnern können, wann es zuletzt eine schwache Leistung gab. Niemand würde es den Bayern mehr abnehmen, wenn sie in dieser Verfassung tiefstapeln und nur von Spiel zu Spiel schauen würden. Folgerichtig beschäftigen sie sich zunehmend ungeniert mit der Aussicht, es wieder ordentlich trippeln zu lassen.

Es spricht gerade sehr viel für den deutschen Rekordmeister. Im Grunde alles außer dem Gegner. Real Madrid bestreitet die Saison auf ganz anderen Wegen. National hat man etliche Enttäuschungen erlebt, doch das ist vor diesem Duell nicht mehr als eine Fußnote. Wenn einer die Bayern entzaubern kann, dann sind es die Königlichen. Umgekehrt geht die Rechnung aber genauso auf.

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