Ein Nackenschlag zu viel

von Redaktion

Tapfere Bayern verlieren nicht nur 1:2 gegen Real, sondern auch die verletzten Robben und Boateng

von hanna raif

München – Es war fast eine halbe Stunde vergangen, aber die Szene, die hatten 70 000 Zuschauer in der Allianz Arena schon ein Mal gesehen. Sie spielte sich auf der rechten Angriffsseite des FC Bayern ab, einmal nach sieben Minuten, ein Mal nach 33. Dort, wo Arjen Robben gestern kurz nach Anpfiff das Feld mit schmerzverzehrter Miene verlassen hatte, tat es Jerome Boateng eine gute halbe Stunde später auch. Zwei Mal ging die Klappe zum Kabinentrakt auf, bitterer hätte das Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid schon unter diesem Gesichtspunkt kaum laufen können.

Immerhin: In der Zwischenzeit war ein Treffer gefallen, Joshua Kimmich hatte die gebeutelten Gastgeber in der 28. Minute in Führung gebracht. Dass die muntere Partie aber noch nicht gelaufen war, zeigte Marcelo mit seinem Ausgleich vor dem Pausenpfiff (44.). Am Ende stand nach einem Treffer des eingewechselten Marco Asensio (57.) ein 1:2 (1:1). Die Bayern kämpften tapfer, aber es war ein Nackenschlag zu viel. Im Rückspiel am Dienstag in Madrid wartet eine Mammut-Aufgabe, um den Triple-Traum am Leben zu halten.

Für Jupp Heynckes war es ja definitiv das letzte Heimspiel in der Königsklasse – und der Bayern-Coach hat eine Serie fortzuführen. Wann immer er in diesem Wettbewerb antritt, steht er im Finale. Dass auf der benachbarten Trainerbank in Zinedine Zidane allerdings ein Mann Platz nahm, der bei all seinen Teilnahmen den Titel gewonnen hat, unterstrich die Vorzeichen des Duells. Zwei Teams auf Augenhöhe, die Partie hielt, was sie versprach.

Die Münchner wurden so aufs Feld geschickt, wie man es erwartet hatte. Heynckes’ hat im Saisonendspurt seine Stammelf gefunden, und diese Elf legte erst mal munter los. Nach 25 Sekunden bereits verpasste Thomas Müller eine Hereingabe von Lewandowski, Ribery reklamierte wenig später Handspiel des starken, aber teils übermotivierten Außenverteidigers Dani Carvajal (kein Elfmeter!). Dass der Spielfluss dann schnell verloren ging, lag vor allem an der langen Verletzungsunterbrechung wegen Robben. Der Finaltorschütze von 2013 wurde minutenlang behandelt, schlich dann aber um das halbe Feld in die Kabine. Thiago kam, es dauerte, ehe die Bayern sich fanden.

Real nutzte die Gunst der Stunde, hatte seine stärkste Phase. Während die Bayern viele Bälle verloren, setzten Kroos, Modric, Marcelo und Co. Cristiano Ronaldo mal mit langen und hohen, mal mit flachen und steilen Bällen in Szene. Ein Treffer gelang aber weder dem Weltfußballer noch Carvajal, der Sven Ulreich ernsthaft prüfte (23.). Ein Bayern-Tor war in diesen Momenten eigentlich vollkommen abwegig, aber das störte Joshua Kimmich nicht. Der überragende James schickte den bis dahin unglücklichen Außenverteidiger nach einem Ballgewinn am eigenen Strafraum, und der machte aus zwölf Metern kurzen Prozess. Keylor Navas war nicht im kurzen Eck, sondern am Boden. Glück für die Bayern, die nach der Führung wieder die Kontrolle hatten.

Hätten der beackerte Ribery in der Folge einen Ball nicht verstolpert (34.), hätte Hummels per Kopf besser gezielt (41.), wäre Müller nicht geblockt worden (42.) und hätte Lewandowski einen James-Freistoß erwischt (45.+1) – das 2:0 wäre verdient gewesen. So aber traf Real, als Martinez unachtsam war. Boateng-Ersatz Süle war unschuldig, als Marcelo volley abschloss.

Als Müller sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an die Leiste fasste, ahnte man Schlimmstes. Er blieb auf dem Feld, musste aber dabei zusehen, wie Asensio das 2:1 gelang. Rafinhas Fehlpass führte zum Doppelpass-Spiel mit Lucas Vázquez – und dem zweiten Auswärtstor für Real.

Bayern blieb tapfer, Ribery (55./63./69.), Müller (67.) und Lewandowski (88.) gaben alles, blieben aber glücklos. Für das Happy End muss in Madrid mindestens ein 2:0-Sieg her. Wohl ohne Robben und Boateng – bitter.

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