Berlin – Es ist eine großartige Finalserie, die das deutsche Eishockey 2018 erlebt. Best of Seven, dramatische Zuspitzung. Beobachtungen vor dem heutigen siebten und entscheidenden Spiel in München (19.30 Uhr, live nur bei telekomsport.de).
Härte: Im sechsten Finalspiel ein Novum in den Playoffs 2018. Mit Frank Hördler und Yannic Seidenberg schlugen sich zwei Mitglieder des olympischen Silberteams. Selbst in der emotionalen Halbfinalserie München – Mannheim (mit 13 Pyeongchang-Teilnehmern, im Finale sind es zehn) hatten die Nationalspieler einen Bogen umeinander gemacht und sich für die Scharmützel jeweils andere Gegner ausgesucht.
Prügeleien sind aber keine echte Gefahr für die Gesundheit, gefährlicher sind Aktionen, die gegen den Kopf gerichtet sind. Pech für München, dass zwei Taten von Berliner Seite (Olver gegen Button, Spiel zwei, und nun Baxmann gegen Jaffray) den Schiedsrichtern entgingen. Verteidiger Button fehlte dem EHC zwei Spiele.
Trainer: Don Jackson hat die sieben Finalserien, an denen er teilnahm, alle gewonnen. Dass ihm eine 3:1-Führung entglitt, ist eine neue Erfahrung für ihn. Der Amerikaner wirkt etwas angeschlagen. Womöglich hat er in den Halbfinals aus der Emotion heraus einen Fehler begangen: Er beantragte bei der DEL die Nachuntersuchung eines Checks von David Wolf (Mannheim) gegen Michael Wolf (München), obwohl der im Spiel bereits geahndet worden war. „Leider kann man in den gesamten Playoffs nur einmal eine Szene noch einmal anschauen lassen“, sagt er. Die DEL soll ihm beschieden haben, „dass man die Spieler die Playoffs entscheiden lassen will – was immer das heißen mag“. Das missfällt ihm.
Uwe Krupp wirkt lockerer. Zweimal hatte er mit Köln das DEL-Finale dramatisch verloren. Vielleicht ist der ehemalige Nationaltrainer nun einfach dran. Es gibt Gerüchte, dass er sich von den Eisbären verabschieden könnte, angeblich in die USA, in denen er als NHL-Spieler ein Star war.
Disziplin: Die Eisbären neigten in den ersten Spielen der Serie dazu, viele Strafen zu nehmen. Zuletzt leisteten sich eher die Münchner die Undiszipliniertheiten, vor allem der vom Typ her eigentlich ruhige Jason Jaffray ist kaum zu bändigen. Daher ein Appell von Patrick Hager an die Kollegen: „Wir müssen in den Playoffs von der Strafbank wegbleiben. Strafzeiten kosten Energie.“ Sie würden auch das Gefüge in der Mannschaft stören: „Die Jungs, die in Unterzahl nicht drankommen, finden den Rhythmus nicht. Andere sind überspielt, wenn sie zehn Unterzahlen killen müssen.“
Special Teams: Powerplay 25,33 Prozent gegenüber 14,71. Unterzahlspiel 83,33 gegenüber 74,29 Prozent – der EHC München hat klare Vorteile mit einem Mann mehr und ist schwer zu knacken, selbst wenn er in Minderzahl agieren muss. Aber: Berlin holt auf. In beiden Kategorien war es die letzten beiden Partien besser. Die Eisbären-Überzahl wirkt aber immer noch umständlich, die Zuspiele kommen selten so auf den Schläger, dass ein gepflegter „One-timer“ (Direktabschluss) möglich wäre, Es wirkt, als würde der Mix aus Rechts- und Linksschützen nicht stimmen.
Tricks: Mit ihnen warten beide Seiten auf. Beim EHC München ist die Fallsucht von Steve Pinizzotto auffällig, die die Referees mittlerweile aber durchschauen. Berliner Spieler sind standhafter. Allerdings: Beim sechsten Spiel in Berlin trickste der Zeitnehmertisch. Nach dem befreienden 4:1 für die Eisbären lief die Uhr noch fünf Sekunden weiter. Eine Unsportlichkeit auf Oberliga-Niveau.
Schiedsrichter: Don Jackson kritisierte die Entscheidungen aus Spiel fünf (6:5-Tor Berlins als regulär gewertet) und aus Spiel sechs (Strafe für hohen Stock von Keith Aulie, aber keine für den mit Verletzung verbundenen von Baxmann gegen Jaffray). Unter dem Duo Rohatsch/Schukies hat der EHC drei von vier Spielen verloren; die beiden vom Duo Piechaczek/Schrader geleiteten Partien hat er gewonnen. Wer das letzte Match pfeift, erfahren die Klubs heute um 12 Uhr.
Fans: „Wir haben die besten in der Liga“, sagt James MacQueen von den Eisbären, und da kann man ihm nicht widersprechen. Die „Dynamo“-Fraktion, stets zahlreich unterwegs, beschallt auch die auswärtigen Hallen im Heimspielstil, Günter Klein