Rafinhas Sekundenschlaf

von Redaktion

Die Bayern in der Einzelkritik: Hummels sorgt für ein Raunen, Ribery ist rauflustig, Lewandowski Punktsieger

von marc beyer

München – Dem Pokal, um den es geht, ist der FC Bayern schon ganz nahe gekommen. Eine Stunde vor dem Anpfiff wurde er gestern Abend in der Arena präsentiert. Um am 26. Mai in Kiew aber auch wirklich das gute Stück in die Hand zu nehmen, müssen die Männer in Rot im Rückspiel einen Kraftakt vollbringen. Die Bayern in der Einzelkritik.

Sven Ulreich: Befindet sich neuerdings zwischen den Extremen WM-Teilnahme (falls Manuel Neuer nicht fit wird) und Ersatzbank (falls doch). Der Torwart hatte anfangs wenig zu tun, und als es brenzlig wurde, war er chancenlos. Konnte weder Marcelos noch Asensios Schuss am Einschlag hindern, verhinderte aber immerhin gegen Benzema noch schlimmeren Schaden. Note: 3

Joshua Kimmich: Fand zunächst schwer in die Partie und konnte froh sein, dass der durchgebrochene Ronaldo nicht nur für ihn zu schnell war, sondern auch für die Real-Offensive. Leistete sich einen kapitalen Ballverlust, machte dann aber alles wieder wett durch seinen fulminanten Führungstreffer. Danach defensiv wie offensiv einer der Besten. Note: 2

Jerome Boateng: Machte kurz den Eindruck, als wolle er sich Cristiano Ronaldo zur Brust nehmen, nachdem der eine Schwalbe zu seinen Lasten produziert hatte. Spielte dann aber mit Bärenruhe weiter und wachte über den Bayern-Strafraum. War immer Herr der Lage und wusste deshalb auch als Erster, dass es nach einer halben Stunde für ihn nicht mehr weiterging. Note:2

Mats Hummels: Sorgte für ein Raunen auf der Tribüne, als er bei einem Flankenwechsel den Ball in den Unterrang beförderte, und spielte die Kugel einmal unbedrängt Modric in die Füße. In der Luft agierte der Weltmeister wesentlich souveräner, köpfte etliche Bälle aus dem Strafraum und hatte kurz vor der Pause das zwischenzeitliche 2:0 auf der Stirn. Fehlerfrei blieb er aber bis zum Ende nicht. Note: 4

Rafinha: Steckte ein, teilte aus und bestritt Zweikämpfe, bis die Funken sprühten. Mit anderen Worten: Der Aushilfs-Linksverteidiger bestritt knapp eine Stunde lang ein typisches Rafinha-Spiel. Untypisch war dann aber der Sekundenschlaf samt Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, der Real das 1:2 ermöglichte. Note: 4

Javi Martinez: Der Baske räumte im defensiven Mittelfeld anfangs gewohnt zuverlässig auf, doch als es drauf ankam, kurz vor dem Ausgleich, agierte er irritierend passiv. Martinez, einer der Schlüsselspieler der Heynckes-Bayern, blieb diesmal deutlich unter seinem Niveau. Note: 4

Arjen Robben: Stürzte sich wie aufgedreht in die Partie, war an einem der ersten Angriffe beteiligt – aber das war es auch schon. Nach acht Minuten war das Spiel für ihn schon beendet. Der Oberschenkel. ohne Bewertung

Thomas Müller: Begann das Spiel als Lückensucher im Zentrum und segelte gleich in der ersten Minute artistisch am Ball und am Führungstreffer vorbei. Robbens Verletzung zwang ihn dann bald hinaus auf die rechte Seite, von wo aus er sich schwerer schwer tat, Gefahr zu erzeugen. Mit der Hüfte hätte er trotzdem fast ein typisches Müller-Tor erzielt und hielt Real auch nach der Pause immer in Atem. Note: 2

James: Hatte immer seine Füße im Spiel, wenn es für die Madrilenen gefährlich wurde. Der Kolumbianer holte sich die Bälle tief in der eigenen Hälfte und verlieh der Offensive Struktur. Folgerichtig war er es auch, der mit einem öffnenden Pass Kimmich auf den Weg zum 1:0 schickte. Starke Leistung, ohne gegen seine Ex-Kollegen übermotiviert zu wirken. Note: 2

Franck Ribery: Für Männer wie ihn, auf der Zielgeraden der Karriere, sind solche Spiele besonders speziell. Eine halbe Stunde lang blieb der Franzose unauffällig und rannte sich in der Real-Defensive fest, dann war er auf Touren. Stürzte sich in die Zweikämpfe wie in eine Wirtshausrauferei, ohne dem Gegner mehr als eine kleine Beule zu verpassen. Dennoch ein starker Auftritt. Note: 2

Robert Lewandowski: Die Fußballwelt schaute genau auf das Duell zwischen Reals Paradestürmer Ronaldo und seinem Münchner Pendant, aber zu sehen bekam sie lange Zeit nur einen der beiden. Der Pole war wach und präsent, ohne dass ihm das einen zählbaren Ertrag gebracht hätte. Immerhin: Das Duell mit Ronaldo gewann er nach Punkten. Note: 3

Thiago: Kam nach acht Minuten für Robben und hatte Mühe, in der allgemeinen Ernüchterung seinen Rhythmus zu finden. Die ersten Pässe misslangen ihm komplett, dann sammelte sich der Spanier langsam. Seine Aktionen wurden zunehmend konkreter, ohne dass er dem Gegner wirklich hätte weh tun können. Note: 3

Niklas Süle: Kam für Boateng und gewann gleich mal einen Zweikampf mit Ronaldo. War auch sonst immer auf der Höhe. Note: 3

Corentin Tolisso: Der Franzose ersetzte 15 Minuten vor Schluss Martinez und hätte fast ein Lewandowski-Tor eingeleitet. ohne Bewertung

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