Relativ cool – Stand jetzt

von Redaktion

Kovac schaut bei seinem Klub in spe vorbei, die Bayern beschäftigt aber vielmehr die Aufgabe Real

VON ANDREAS WERNER

München – Niko Kovac hat in dieser Woche Humor bewiesen. Als er die Verletzten von Eintracht Frankfurt vor der Partie am heutigen Samstag beim FC Bayern in einer Pressekonferenz vorlas, fügte er hinzu: „Stand jetzt.“ Chuzpe hatte das, denn diese Formulierung wird am Main auf ewig, nicht nur Stand jetzt, dem Kroaten angeheftet bleiben. Sie war sein Hintertürchen beim Wechsel zum FC Bayern, bei dem der Trainer gehörig geflunkert hat. Es ist nicht überliefert, wie viele Lacher er geerntet hat.

Stand jetzt sind alle relativ cool, wenn es nun zu einer recht kuriosen Konstellation kommt: Niko Kovac schaut bei seinem Verein in spe vorbei, und kaum einen juckt’s. Der FC Bayern ist aktuell vielmehr mit der Vorbereitung auf das Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid beschäftigt. Und auch hier bemüht man sich, cool zu bleiben.

Jupp Heynckes ist in dieser Hinsicht ein Aushängeschild, wie es sich Vereinsbosse nur wünschen können. Am Freitag manövrierte er Fragen zu dem Duell mit seinem Nachfolger geschickt aus. Erst, wenn die erneute Begegnung mit der Eintracht am 19. Mai im Endspiel um den DFB-Pokal ansteht, sei es eine besondere Konstellation, so der scheidende Coach, der aber dennoch einen charmanten Appell an die Reporter in der bayerischen Landeshauptstadt richtete: Kovac sei „ein junger Trainer, der jetzt mal durchstarten möchte“. Man solle da bitte „nicht so kritisch sein, sondern objektiv. Man muss ihm Zeit geben.“

Im Vorwort des „Bayern-Magazins“ lässt Karl-Heinz Rummenigge sowieso keine Zweifel an der Personalie zu. Ihn habe die Arbeit von Kovac in Frankfurt „extrem beeindruckt“, ist zu lesen, „und mir imponiert der Weg, für den er sich entschieden hat“. Er habe nicht den Anspruch einiger ehemaliger Profis, die nach der Trainerausbildung „am liebsten gleich bei Real Madrid oder Manchester United einsteigen würden“. Kovac sei „den natürlichen, steinigen Weg“ gegangen. Auf Juniorenlevel als Debütant habe er sich „Schritt für Schritt nach oben gearbeitet und sich seine Meriten verdient“. Zum Fazit klopfte sich Rummenigge ein wenig selbst auf die Schulter: Man habe „eine exzellente Wahl getroffen“, ehe er zum allumfassenden Ritterschlag ausholte: Kovac kenne „die DNA des FC Bayern sehr gut, er ist ausgeschlafen, rhetorisch geschliffen, extrem ehrgeizig, dabei immer auch emphatisch und für neue Ideen offen“. Nun, zumindest der letzte Punkt dürfte für die Verpflichtung irrelevant gewesen sein. Innovation findet in München kaum statt.

Am Main benutzt der Ex-Profi in diesen Tagen unterdessen seine rhetorische Geschliffenheit, um die Frankfurter wieder auf seine Seite zu bekommen. „Wir haben Ziele, Wünsche und Träume“, sagte er, ihn interessiere am FC Bayern derzeit allein die Frage, „wie wir sie schlagen können“. Es wird schwer, zumal seinem Team die Form abhandengekommen ist, und zwar gründlich: Einen mickrigen Punkt holte man aus den letzten vier Spielen, die Laufleistung ist gesunken, hinter den Kulissen wird geflüstert, Kovac habe die Spieler verheizt, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Heynckes nannte den aufopfernden Frankfurter Fußball „Berufsethik“, er geht davon aus, „dass sie sich auch gegen uns alles abverlangen“. Zum Ende erzählte er aber lieber noch ein bisschen von seiner alten Verbundenheit zu Real Madrid, das er 1998 zum Champions League-Coup gecoacht hatte. 2014 hatte ihn Florentino Perez anlässlich des Gastspiels des FC Bayern eingeladen. Es setzte ein 0:1, Perez führte Heynckes durch sein frisch renoviertes Büro, alles sehr beeindruckend, erinnerte sich der 72-Jährige. Heynckes schätzt Real, und in Madrid schätzen sie ihn. Er werde ihnen am Dienstag allerdings trotzdem nichts schenken, sagte er. „Geschenke haben wir im Hinspiel genug gemacht.“

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