München – Geschieht nicht noch ein Wunder, wird der FC Bayern II die Zielvorgabe, den Aufstieg, ziemlich deutlich verfehlen. Als Reaktion darauf steht nun schon länger fest, dass es in der kommenden Saison ein neuer Trainer richten soll. Tim Walter blickt also seinem letzten Regionalliga-Derby entgegen, und nach Lage der Dinge möchte der scheidende Coach vorher noch mal eine Duftmarke setzen – sportlich und verbal.
„Wir wollen dem designierten Aufsteiger, unserem Erzrivalen, zwei Niederlagen in einem Jahr zufügen“, stichelte Walter unter der Woche: „Das ist unser Anreiz. Es ist auf deutsch gesagt schon scheiße, wenn ich gegen die Roten zweimal im Jahr verliere. Ich glaube, da tröstet auch ein möglicher Aufstieg nicht drüber hinweg.“ Unklar ist, ob da der eigene Frust aus ihm sprach – oder ob Walter einfach noch mal an den verdienten 1:0-Sieg der Bayern im Hinspiel erinnern wollte. Fest steht jedenfalls: Für Stimmung ist gesorgt vor dem schon von Haus aus brisanten Duell Rot gegen Blau.
Die Reaktion seines Trainerkollegen ließ natürlich nicht lange auf sich warten. „Dass der Tim Walter so was sagt, ist sein gutes Recht“, sagte Daniel Bierofka: „Aber mein gutes Recht ist, dass mich das nicht interessiert. Ganz ehrlich: Das geht mir sonstwo vorbei. Mein Ziel war immer, die Meisterschaft zu holen und nicht, beide Derbys zu gewinnen“
Dieses Ziel ist seit dem 2:0-Sieg in Illertissen zum Greifen nahe. Bereits ein Unentschieden würde den um neun Punkte und 16 Tore besser gestellten Löwen reichen, um am drittletzten Spieltag den Titel zu sichern. „Es wäre wichtig, dass wir mal den Deckel draufmachen“, sagt Bierofka und hält die Paarung für ideal dafür: „Im Derby geht es ums Prestige. Da werden wir noch mal alles raushauen.“
Dafür dürfte ohne Zweifel ein kleiner Kraftakt fällig sein. Hinter dem designierten Meister liegen zwei Englische Wochen, vor seinem geistigen Auge steht die Aufstiegs-Relegation. Aber, sagt Bierofka: „Wenn ich zu einem Spieler hingehe und sage: Mach doch mal ’ne Pause – dann reißt der mir den Kopf ab.“ Eher sei das Gegenteil der Fall: Alle brennen. Auch Timo Gebhart, der „zu 100 Prozent“ in den Kader zurückkehren werde. Bierofka weiß: „Wenn was passieren sollte oder wir in Rückstand geraten, haben wir jetzt noch eine Waffe in der Hinterhand. Der Timo ist einer, der vor nichts und niemandem Angst hat. Er hat auch sehr gut gearbeitet. 15, 20 Minuten traue ich ihm zu.“
Ausverkauftes Haus, das Fernsehen überträgt live – ein Spiel, das wahrscheinlich auch eine halbe Arena gefüllt hätte, in die Gastgeber FCB das Derby zunächst verlegen wollte. Phillipp Steinhart, 1860-Verteidiger mit Bayern-Vergangenheit, stellt sich auf ein rot leuchtendes Sechzger-Stadion ein (nur 1100 Löwen-Fans haben offiziell Karten), sagt aber, mit dieser Umstellung werde das Team klarkommen. „Wir wollen noch mal was abbrennen“, tönt er. Nach dem verzagten Auftritt im Hinspiel laute die Devise: „Griffig sein, aggressiv sein.“ Bierofka stößt ins gleiche Horn: „Wir müssen mutiger spielen. Im Rückspiel hatten wir noch einen Rucksack auf. Ich denke, den sollten wir diesmal zu Hause lassen.“
Fest steht aus Löwen-Sicht, dass Stürmer Markus Ziereis nicht mitmachen kann (Zerrung). Auch hinter Kapitän Felix Weber (Verhärtung) sieht Bierofka ein „Riesenfragezeichen“. Die Bayern beklagen keine wesentlichen Verletzten. Ein Comeback von Supertalent Adrian Fein zeichnet sich ab – schon, um die Blauen zu überraschen.
Die jedoch wollen sich jetzt durch nichts mehr von ihrem Weg abbringen lassen. In der Idealvorstellung der Löwen bieten sie den Bayern Paroli, fahren danach als Meister zurück zum Vereinsgelände, wo praktischerweise schon alles für eine Party aufgebaut ist. Wegen des Public-Viewing-Events. Bierofka: „Wenn es so kommen sollte, dann machen wir das ganz spontan.“