Interessante Details aus dem Buch „Matchplan“ von Christoph Biermann:
Elfmeter werden in der Bundesliga in 74,69 Prozent der Fälle verwandelt.
Aus Freistößen und Ecken resultiert ein Fünftel bis Viertel aller Tore; 2016/1 waren es in der Bundesliga 21 Prozent. Dazu kommen acht Prozent aus Elfmetern.
Tony Pulis, ein englischer Trainer, von 2006 bis 13 bei Stoke City, ist auf Standards spezialisiert. Seine Mannschaften erzielten daraus 47 Prozent ihrer Tore. Pulis nutzte auch den Einwurf als Waffe. In der Saison 2008/09 gelangen Stoke acht Tore nach Einwürfen – man hatte einen ehemaligen Speerwerfer verpflichtet, der den Ball 35 Meter weit brachte.
Lars Voßler war der heimliche Trainerstar der WM 2014. Der Assistenzcoach des SC Freiburg beriet Joachim Löw bei Freistößen und Ecken. Resultat: fünf deutsche Tore aus Standards auf dem Weg zum Titel.
Thomas Tuchel revolutionierte den Fußball dadurch, dass er das System des Gegners spiegelte und mit Mainz die Rolle des Underdogs übererfüllte – das Gegenteil des Ansatzes, der anderen Mannschaft das eigene Spiel aufzuzwingen. Ein Vortrag von Tuchel bei der „Rulebreaker Society“, einem „privaten internationalen Business Club neuer Art“ erzielte bei Youtube 300 000 Abrufe.
Pep Guardiola und Thomas Tuchel verfolgen beide die Philosophie, auf dem Platz Überzahlsituationen zu schaffen und mit mehr Spielern als der Gegner in der Nähe des Balls zu sein.
Lucien Favre ist der Trainer, der aus Mannschaften offensichtlich am meisten herausholt. Sowohl in Mönchengladbach als in Nizza übertraf er die „Expected Goals“ und „Expected Goals Against“ dramatisch. Es gibt zwei Favre-Forscher, den Amerikaner Michael Caley, und den Inder Ashwin Raman, die noch mehr Erstaunliches herausgefunden haben: Mit Gladbach ließ Favre die Gegner bis zwölf Meter vors eigene Tor passen, mit Nizza war er Zweitletzter bei den Schüssen aus gefährlichen Zonen. Die einfache Idee hinter Favres Spiel: Der Gegner gibt schlechte Schüsse ab, das eigene Team gute.
Durchschnittlich 150 Sekunden während 90 Minuten ist ein Spieler nur am Ball.
Lars Stindl und Max Kruse sind die besten Zielspieler der Bundesliga. Der Gladbacher und der Bremer haben herausragende Werte darin, „Pässe zu ziehen“. Das ergibt sich aus dem Analysesystem „Packing“ (Anzahl der überspielten Gegner) von Stefan Reinartz und Jens Hegeler, Stindl und Kruse sind die Adressaten von Pässen, mit denen viele Gegner aus dem Spiel genommen werden. Spricht für ihre Laufwege und ihr Spielverständnis. Internationaler Star in dieser Kategorie: Mesut Özil.
Videos haben die moderne Trainerarbeit erst ermöglicht. Christoph Biermann sieht bei allen Großen Phasen intensiven Videostudiums. Er ist sich sicher: Hätte Sepp Herberger diese Möglichkeiten schon gehabt, wäre aus ihm ein Laptoptrainer geworden.