Bald wird trotzdem gefeiert. In zehn Tagen werden die Weißbierhumpen rausgeholt, womöglich mit Kameras bestückt, und für einen Nachmittag, einen Abend und eine Nacht wird Real Madrid keine Rolle spielen. Meistertitel wollen gebührend gefeiert werden.
Die Bayern können mit ihrer Saison, die im Herbst zu kippen drohte, grundsätzlich zufrieden sein und sie im DFB-Pokal noch veredeln. Aber das ist für sie jetzt kein Trost. Wie sie ihre Bilanz bewerten, entscheidet sich schon lange nicht mehr in der Liga oder einem Berliner Finale. Maßgeblich für sie sind Stadien wie Nou Camp oder eben Bernabeu.
Das ist für den Rekordmeister so ernüchternd wie logisch. Er ist ein Getriebener seiner Dominanz. Ein „Immer weiter“ und „Immer mehr“ macht überhaupt nur international Sinn, wo noch echte Herausforderungen warten und Titel keinen Abonnements-Charakter haben.
Umso schlimmer und verstörender mutet der gestrige Abend für die Münchner an. Gescheitert sind sie ja beileibe nicht an der Überlegenheit ihres Gegners, an der individuellen Klasse eines Ronaldo, noch nicht mal an einem überforderten Schiedsrichter. Zum Verhängnis wurde ihnen ein Fehler, der in jeder Freizeitmannschaft verständnislose Kommentare der Mitspieler zur Folge gehabt hätte.
Die Justiz kennt den Begriff des Augenblicksversagens. Ein Verkehrsteilnehmer ist nur einen winzigen Moment unachtsam, richtet aber einen Schaden an, der im schlimmsten Fall verheerend sein kann. Dass es sich beim Verursacher ausgerechnet um Sven Ulreich handelt, den wohl beeindruckendsten Bayern der Saison, macht das Aus noch grausamer.
Real Madrid, im modernen Fußball der ultimative Maßstab für Erfolg, war alles andere als überlegen. Während die Bayern etliche personelle Rückschläge wettmachten, wirkten die Königlichen auf frappierende Weise verwundbar. Sie begingen schlimme Fehler. Einziger Unterschied: Die blieben folgenlos.