Meyer gemobbt? „Dummes Zeug!“

von Redaktion

Schalke 04 widerspricht vehement den Vorwürfen des Mittelfeldspielers und suspendiert den 22-Jährigen

Von Chris Lugert

Gelsenkirchen – Der auf Schalke in Ungnade gefallene Max Meyer wurde am Dienstag auf dem Trainingsplatz vergeblich gesucht: Einen Tag nach der Suspendierung des U21-Fußball-Europameisters durch den Bundesligisten Schalke 04 nach dessen Mobbing-Vorwürfen gegen die Klubspitze ist der 22-Jährige zur Persona non grata geworden. Vorerst kein Abschied von den Teamkollegen, geschweige denn vom Trainer oder vom Manager.

Der Mittelfeldspieler, der lange als Verkörperung der Zukunft des Traditionsvereins gefeiert wurde, hat bei den Königsblauen ausgespielt. Wohl angestachelt von seinem Berater Roger Wittmann manövrierte sich Meyer, dessen Abschied am Saisonende ohnehin beschlossene Sache war, ins Abseits. Die große Liebe zu S04 war bereits zuvor erloschen, Meyer initiierte mit einem Interview in der „Bild“-Zeitung eine Schlammschlacht, die in besagten Mobbing-Vorwürfen gipfelten.

„Ich finde es sehr mutig, sich als Mobbingopfer zu bezeichnen, wenn man weiß, wie es Mobbingopfern wirklich geht. Dieser Vergleich ist an den Haaren herbeigezogen“, sagte Sportvorstand Christian Heidel (54): „Ich weiß nicht, was in Max Meyer vorgeht. Das ist dummes Zeug.“ Schalke habe sich immer korrekt gegenüber dem Profi verhalten. Trainer Domenico Tedesco ergänzte: „Von seinen persönlichen Angriffen bin ich enttäuscht und kann sie nicht nachvollziehen. Weil sie einfach nicht stimmen.“

Das Interview sei laut Heidel letztendlich auch nicht Auslöser für die Aussortierung gewesen. „Wir haben reagieren müssen auf eine Aussage von Max bei unserem Trainer und unserem Co-Trainer, in dem er sagte, dass er mit Schalke 04 seit der Begegnung in Hamburg abgeschlossen hat“, erläuterte der Schalker Manager. In diesem Spiel war er in der Halbzeit ausgewechselt worden. Heidel weiter: „Schalke 04 steht vor den beiden wichtigsten Spielen seit langem, wir wollen uns für die Champions League qualifizieren. Und wenn ein Spieler das Gefühl hat, nicht mehr für Schalke da zu sein, dann kann er in diesen beiden wichtigen Spielen nicht mehr Bestandteil der Mannschaft sein.“ Die Einladung zu einem klärenden Gespräch habe der Spieler abgelehnt.

Meyer, der mehrere Angebote von Schalke zur Vertragsverlängerung ausschlug, ist vor allem auf Heidel schlecht zu sprechen. „Ich wollte einfach nicht mehr bei Schalke bleiben und unter Herrn Heidel arbeiten. Darum geht es“, erklärte er. Doch auch Clemens Tönnies bekam sein Fett weg. Der Schalker Aufsichtsratschef hatte geäußert, dass bei Meyer „der Zug des Geldes die Emotionen überholt“ habe. Meyer widersprach vehement. Das Finanzielle sei für ihn nie das Wichtigste gewesen. Es sei daher „eine Sauerei von Clemens Tönnies, es im TV so hinzustellen, als ob es mir nur um Geld ginge.“ Der Spieler hatte zuletzt eine Offerte für eine Vertragsverlängerung mit einem Jahresgehalt von angeblich 5,5 Millionen Euro ausgeschlagen.

Nach dem feststehenden Abgang von Leon Goretzka zum FC Bayern sollte ein Verbleib Meyers auch als Signal nach außen dienen. Zunächst hatte sich Heidel zuversichtlich geäußert, er hob die Heimatverbundenheit des Eigengewächses hervor. Zu einer Unterschrift aber kam es bis zum Stichtag am 15. Februar nicht. Die Hängepartie ging weiter. Erst vergangene Woche beendete Heidel von sich aus das Kapitel.

Es folgte am Montag das Meyer-Interview und die Suspendierung des Spielers, der nun vor einer ungewissen Zukunft steht. Sein verbaler Rundumschlag dürfte seiner weiteren Karriere nicht unbedingt förderlich sein.

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