München – Die Sache schien am Ende einen doch ziemlich beschleunigten Verlauf genommen zu haben. Denn Michael Greis, der dreifache Biathlon-Olympiasieger, befand sich am Montag im Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen schon in der Schlange zum Flieger, als er einem zufällig anwesenden Reporter noch schnell in aller Kürze seine beruflichen Pläne kundtat: „Ich werde Cheftrainer der US-Männer. Heute trete ich meinen Dienst an. Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.“
Das war nun doch eine überraschende Nachricht. Schließlich war der 41-Jährige zuletzt vornehmlich als TV-Experte in Erscheinung getreten. Und auch sein in Ansbach begonnenes Studium im Fach Internationales Management ließ nicht unbedingt darauf schließen, dass der Weltcup-Gesamtsieger 2006/07 nun wieder in vorderster Front der Skijägerei auftauchen würde. Praxisnähe wahrte Greis allein durch seine Tätigkeit am Bundesstützpunkt Ostschweiz in Lenzerheide. Hier bildete er zwei Jahre lang bis Ende des vergangenen Winters Schweizer Nachwuchstalente aus.
Nun also zieht es den Allgäuer in die USA, wo er nach den Rücktritten von Weltmeister Lowell Bailey und Tim Burke eine neue Mannschaft aufbauen soll. Entscheidender Drahtzieher dieser Personalentscheidung war offenbar der aus Siegsdorf stammende Bernd Eisenbichler, seit zehn Jahren Sportdirektor der US-Biathleten. „Michael und ich hatten viele sehr gute Meetings, und ich bin überzeugt davon, dass er für diese junge Mannschaft genau der richtige Mann sein wird“, sagte Eisenbichler.
Mit Ricco Groß, 47, steht noch ein zweiter ruhmreicher Ex-Biathlet (acht olympische Medaillen, davon vier goldene) vor einer beruflichen Veränderung. Der Ruhpoldinger war zuletzt drei Jahre lang Chef der russischen Männermannschaft um Anton Schipulin, nun ging diese heikle, von Dopingskandalen überschattete Kooperation zu Ende. Vor einem Jahr hatte Groß sein Team bei der WM in Hochfilzen noch zu Staffel-Gold geführt, bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea ging seine durch zahlreiche Suspendierungen geschwächte Auswahl leer aus.
„Es ware eine interessante, ereignisreiche Zeit. Sie war nicht unerfolgreich und doch mit dem Schlusspunkt Olympische Spiele und deren unschönen Begleiterscheinungen unbefriedigend“, erklärte Groß in einer von seinem Management am Montag verbreiteten Stellungnahme. Zu seinen weiteren Plänen sagte der gebürtige Sachse: „Ich habe interessante Anfragen.“ Angeblich ist er absoluter Topfavorit für den Posten des Cheftrainers der österreichischen Männer.