Ein bisschen meisterlich

von Redaktion

Nach dem Sieg über Bonn wähnen sich Bayerns Basketballer wieder auf Kurs – doch es wartet ein harter Playoff-Auftakt

VON Patrick Reichelt

München – In schwierigen Momenten kommt auch einem Favoriten ein bisschen Seelenmassage ganz gelegen. Und so haben auch die Basketballer des FC Bayern nach dem 83:72 zum Hauptrundenabschluss gegen Bonn erst einmal tief durchgeatmet. Auch Trainer Dejan Radonjic. „Dieses Spiel gegen einen so guten Gegner war sehr wichtig für uns“, sagte er.

An diesem Samstag beginnt für seine Bayern mit dem ersten Viertelfinale gegen die Frankfurt Skyliners (20.30 Uhr) der Kampf um die große nationale Trophäe. Und so ganz sicher waren sich die Bayern nach vielen fahrigen Auftritten im letzten Monat ihrer Sache selbst nicht mehr gewesen. Auch Marko Pesic nicht. Der Geschäftsführer hatte am Wochenende erklärt: „Wir spielen in manchen Teilen nicht gut. Ich weiß es nicht, ob wir das rechtzeitig hinkriegen.“

Rund einen Monat ist es her seit der Klub Ex-Coach Sasa Djordjevic auf die Straße setzte, weil man ihn als Bedrohung für die Meisterpläne sah. Was folgte war in der Tat wenig meisterlich, vor allem in der Defensive. Gegen Hinterbänkler der Liga wie Erfurt, Bremerhaven oder Jena kassierten die Bayern im Schnitt fast 83 Punkte. Für Pesic nur ein weiteres Zeichen, dass man den Schnitt in letzter Sekunde vollzogen hatte. „Wir spielen ja nicht so, weil Dejan Radonjic jetzt da ist“, sagte er, „das ist die Fortsetzung einer Entwicklung.“

Wobei die Macher mit der Verpflichtung des Montenegriners schon auch ein Risiko eingegangen sind. Als Basketball-Fachmann mag der einstige Erfolgscoach von Roter Stern Belgrad unumstritten sein. Doch im Verlauf des ersten Monats im Audi Dome hat man schon sehen können, warum sich Radonjic in seiner Karriere noch nicht über die Grenzen seiner Heimatregion hinausgewagt hatte. Zumindest sprachlich quält sich der 48-Jährige bislang durch sein erstes Auslandsengagement. Bei öffentlichen Auftritten wie auch bei der Arbeit mit der Mannschaft. „Man weiß ja, was er meint“, meint Reggie Redding augenzwinkernd.

Vermutlich ganz gut, dass Radonjic nur an einigen wenigen Stellschrauben gedreht hat. Mit mehr Intensität ließ er trainieren, das ja. Aber ins Münchner Spiel griff er nur in einigen wenigen Details ein. „Ein Trainer ist natürlich auch gut beraten, in so einer Phase nicht zu viel zu ändern“, sagte Redding. Zumal die Bayern spielerisch in dieser Saison ja über weite Strecken auf Kurs lagen.

Aber das zählt halt nicht mehr, wenn die Münchner ihre Qualität nicht in den Playoffs nachweisen. Die Sache hat ihre Tücken, wie Pesic ahnt. „Das Viertelfinale ist für uns wahrscheinlich die wichtigste Runde“, sagte der Geschäftsführer. Hier werden die Grundlagen für erfolgreiche Playoffs gelegt. So war das auch 2014, beim ersten Titelgewinn der Münchner Basketball-Neuzeit. Seinerzeit stolperten die Bayern durch die erste Runde gegen Ludwigsburg – am Ende stand der Finalsieg über Alba Berlin.

Es könnte ähnlich kommen, das haben die Bayern erst beim Hauptrunden-Auftritt vor gut zwei Wochen in Frankfurt vor Augen geführt bekommen. Drei Viertel lang mischten Tai Webster (32 Punkte) und BBL-Topscorer Phil Scrubb (23) den Tabellenführer kräftig auf. Bis vor allem die Geniestreiche von Braydon Hobbs die Bayern doch noch auf Kurs brachten. „Wäre er nicht gewesen, dann würde heute vermutlich vieles anders aussehen“, sagte Kapitän Anton Gavel, „vermutlich würden wir jetzt im Viertelfinale auch nicht gegen Frankfurt spielen.“

Doch so liegt beim Pokalsieger erst einmal alles im grünen Bereich. Die Playoffs nimmt man mit einer Bilanz von 31 Siegen und nur drei Niederlagen in Angriff – so gut standen die Bayern zum Hauptrundenende noch nie da. Noch so ein bisschen Seelenmassage. Und die kann auch ein Favorit bekanntlich manchmal ziemlich gut brauchen.

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