Es waren irre Februar-Tage, als die Eishockey-Nationalmannschaft im Olympia-Turnier einen Lauf bekam und in Deutschland die Schlagzeilen-Hoheit übernahm. Wer in der Materie tiefer drinsteckt, hat sich bemüht um eine faktenbasierte Einordnung, bei der man nicht außer acht lassen konnte, dass bei der Veranstaltung in Pyeongchang die wahrhaft Besten fehlten und durch die Nicht-Teilnahme der NHL ein Pool von tausend Spielern gar nicht zur Auswahl stand. Wollte aber keiner hören, alle ließen sich tragen von den großen Gefühlen – irgendwann ja auch die Mannschaft selbst, die die besonderen Umstände verdrängte. Die Silbermedaille glänzte ohne Einschränkung – und das war für die in Deutschland gebeutelte Sportart auch mal ganz schön.
Allerdings muss sich die Eishockeyszene dann auch darauf einstellen, dass die Sichtweise der oft zitierten breiten Öffentlichkeit auf die künftigen Turniere nicht sonderlich differenziert sein wird. Wie ab heute auf die Weltmeisterschaft in Dänemark. In die kann die deutsche Mannschaft nicht mit der Haltung hineingehen, sie habe nichts zu verlieren. Durch Olympia hat sie Erwartung geschaffen und eine Fallhöhe definiert. Vermutlich würde bereits ein Ausscheiden im Viertelfinale manche zum Urteil „Na ja, Eintagsfliege“ im Rückblick auf das Silbererlebnis verleiten. Wobei man es in der WM-Vorrundengruppe mit acht Nationen auch erst einmal unter die besten Vier und überhaupt in die Playoffs schaffen muss.
Deshalb sei es noch einmal gesagt: Es spielt aus den verschiedensten Gründen nicht mehr das Olympia-Team, nur zehn der 25 Helden sind übrig geblieben. Die neue Mannschaft ist zumindest mal deutlich unerfahrener. Dass viele NHL-Akteure nun verfügbar sind, hilft den Deutschen ein bisschen (drei Leute, unter ihnen der Star Leon Draisaitl), anderen Nationalmannschaften aber noch viel mehr. Kanada etwa hat keine Rummeltruppe mehr am Start wie in Pyeongchang, sondern lauter hochveranlagte Spitzenkräfte.
Die alteingesessenen Eishockey-Fans sind Realisten, sie verliert man nicht, wenn man normal abschneidet. Doch bei der WM geht es darum, die frisch dazugekommenen zu binden. Die Erfolgsfans. Harter Job.