München – Vorige Woche war die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bereits in Dänemark. Vier Tage zur Vorbereitung, zwei Testspiele inklusive. Stammquartier: die Halle in Odense, der Stadt, die durch den Märchenerzähler Hans Christian Andersen ein bisschen berühmt ist.
1999 waren deutsche Eishockeyspieler schon mal in Odense. Der Anlass damals: B-Weltmeisterschaft mit den Gegnern Kasachstan, Estland, Ungarn, Slowenien, Großbritannien, Polen. Und Dänemark, dem Gastgeber. Das deutsche Team, nach über zwanzig Jahren aus der A-Gruppe abgestiegen, wurde Vierter unter den acht Teilnehmern. Demütigend. Besonders ein Spiel: 1:6 gegen die Dänen. Diese kleine Nation, die bis dahin vergebens beim Deutschen Eishockey-Bund nachgefragt hatte: Können wir nicht mal ein Freundschaftsspiel machen? Doch dafür trugen die Deutschen die Nase zu weit oben.
2018 und 1999 – nie waren deutsche Eishockey-Nationalmannschaften weiter auseinander als in diesen Jahren. Damals: In Folge des Bosman-Urteils und einer von Ausländern überfluteten Liga kaum noch gute deutsche Spieler vorhanden. Heute: Mit der Olympia-Silbermedaille wurde der größte Erfolg der Geschichte gefeiert, Eishockey ist tatsächlich im Gespräch – auch wenn strukturell beileibe nicht alles gut ist in Deutschland.
Wieder muss man zu einer Weltmeisterschaft nach Dänemark – doch eben auf einem anderen Level und unter anderen Voraussetzungen. Es ist die A-WM, und Dänemark ist kein Zwerg mehr in diesem Sport, sondern eine feste Größe. Heute trifft man aufeinander. In Herning (20.15 Uhr/Sport1), neben Kopenhagen Austragungsort der ersten großen Eishockey-WM in Dänemark.
3:4 nach Verlängerung hat die Truppe von Bundestrainer Marco Sturm vergangene Woche das Testspiel gegen Dänemark verloren. Warnung genug für das erste Match – dem er allerdings auch nicht entscheidende Bedeutung beimisst. „Vor zwei Jahren sind wir in die WM auch mit einer Niederlage gestartet und trotzdem ins Viertelfinale gekommen.“
Dass die Gruppe mit Dänemark nicht in Kopenhagen antritt, sondern in Herning, wo es wenig Hotelbetten gibt, liegt an den Schweden. Deren Fans haben günstige Anreisewege in die dänische Hauptstadt, sie sollen dort das Bild vermitteln: Kopenhagen ist Eishockeystadt.
Die Halle in Herning kann jedoch auch eine imposante Kulisse bieten: Knapp 12 000 Zuschauer passen hinein. Es wird sich also zeigen, ob das dänische Eishockey in den vergangenen zwanzig Jahren XL-Formal erreicht hat.
1999 war Heinz Ehlers der Star. Der erste Däne in allem, was mit Eishockey zu tun hatte: Erster Däne, der in Schweden spielte, in Österreich, der Schweiz, der DEL, erster Däne, der von einem NHL-Club gedraftet wurde. Der größere Star ist dann sein 1996 geborener Sohn Nikolaj geworden, der bei den Winnipeg Jets diese Saison 80 Scorerpunkte produziert hat – mit denen er sein Team in die Playoffs um den Stanley-Cup brachte, was ihn wiederum an der Teilnahme an der ersten WM in der Heimat hindert, er spielt Viertelfinale. Vater Heinz ist als Co-Trainer der Nationalmannschaft dabei.
Dänemark hat sich im Eishockey etabliert. Das ist auch in München zu sehen. Der EHC, Deutscher Meister, hat(te) zwei in seinem Team: Mads Christensen, Stürmer, und Markus Lauridsen, Verteidiger. Christensen, in Herning geboren (und seit Herbst 2017 auch mit deutschem Pass ausgestattet), hat mit sieben Toren in den den 17 Playoff-Partien gerade entscheidend zum dritten Münchner Titelgewinn in Folge beigetragen. Verteidiger Lauridsen hatte das Pech, dass ihm einen Sekundenbruchteil, nachdem er in einem der Halbfinals gegen Mannheim ein Tor erzielt hatte, sein Gegenspieler mit einem Stockschlag den Finger brach.
Lauridsen, der München verlassen wird, steht wegen seiner Verletzung nicht im Kader Dänemarks. Sein Gegner jedoch im deutschen: Matthias Plachta. Auch dies ein Aspekt des WM-Eröffnungsspiels.