Pipinsried vor Augen – und keine Perspektive

von Redaktion

Bierofka hofft auf Investitionen und erhöht den Druck auf die zaudernden 1860-Bosse: „Entscheidungen müssen her!“

von uli kellner

München – Eine lange Saison neigt sich dem Ende zu, und auch in folkloristischer Hinsicht haben die Regionalliga-Löwen unzählige Eindrücke gesammelt: Volksfesttrubel und Blasmusik beim Auftakt in Memmingen; den kleinen Hexenkessel von Buchbach (leider ohne das legendäre Spanferkel); es gab Rekordkulissen in Augsburg und Nürnberg – zuletzt auch eine Derbypleite inklusive rot gepinselter Westtribüne. Doch ein echtes Schmankerl wartet noch auf den designierten Meister: das 580-Seelen-Dorf Pipinsried – mit seiner improvisierten „Naturtribüne“.

Diese Tribüne ist ja in Wahrheit nichts anderes als eine Wiese, die der Aufsteiger in Erwartung von 7000 Zuschauern zweckentfremdet. Daniel Bierofka kennt die Gegebenheiten vor Ort aus seiner Zeit als U 21-Coach bei 1860. Und er klingt nicht besonders scharf darauf, auch noch den FCP in Eventlaune („Spiel des Lebens“) und die Euphorie des seit Donnerstag geretteten Neulings erleben zu müssen – wo seine Löwen doch am liebsten ganz sachlich den für die Meisterschaft fehlenden Punkt einfahren würden. „Das wird brutal emotional“, ahnt er: „Egal, wo wir bisher gespielt haben: Es herrschte eigentlich immer Ausnahmezustand. Mir ist ein absolutes Rätsel, wo die 7000 Leute hinpacken wollen – wahrscheinlich alle hinter meine Trainerbank.“ Dazu machte er ein Gesicht, das erahnen ließ: Ein weiteres Jahr in der romatischen Regionalliga ist so ziemlich das Letzte, wonach dem ehrgeizigen Coach der Sinn steht.

Der Fahrplan des Löwen-Trainers kann demzufolge nur so aussehen: ein bis drei Punkte aus Pipinsried entführen, die Saisonabschlussfahrt nach Bayreuth dazu nutzen, rekonvaleszente Hoffnungsträger heranzuführen – von Timo Gebhart bis zu Felix Weber und Markus Ziereis, die an diesem Samstag noch geschont werden. Und dann: Saarbrücken ins Navi eingeben und die beiden Duelle (24. auswärts, 27. daheim) so gestalten, dass am Ende der Abschied aus der 4. Liga steht – beziehungsweise die perspektivisch notwendige Rückkehr in den Profifußball.

Was das Klassenziel Aufstieg angeht, hat Bierofka aktuell genug Sorgen. Wie berichtet, ist die Elefantenrunde am Montag nicht so verlaufen, dass von größeren Investitionen in eine bessere Zukunft auszugehen ist – sehr zum Verdruss des Löwen-Trainers, der am Freitag ein bisschen in sein Innerstes blicken ließ. Die Ungewissheit sei kontraproduktiv, sagte er, „weil wir nicht genau wissen: Was für ein Budget haben wir zur Verfügung? Mit welchen Spielern können wir reden?“ Die ganze Situation sei nicht so einfach: „Deswegen hoffe ich, dass wir relativ schnell wissen, wie es weitergeht. Es müssen Entscheidungen her – egal in welche Richtung.“

Drei Modelle liegen auf dem Tisch: A. Es geht in der 4. Liga weiter – mit ähnlichem Etat wie bisher (2 Mio. Euro). B. Der Aufstieg gelingt, aber keine Einigung mit Hasan Ismaik über eine Finanzspritze (3 Mio.). C. Die Löwen steigen auf und greifen mit frischem Geld direkt die 2. Liga an (5 Mio.). „Ich warte ab, was die nächsten zwei Wochen passiert“, sagt Bierofka mit ungeduldigem Unterton: „Mein Fokus liegt auf der Relegation. Danach werde ich mich vielleicht dazu äußern – vorher nicht.“ Auf die liebevoll belegten Wurstsemmeln der ehrenamtlichen Pipinsrieder Helfer würde er nächste Saison gerne verzichten.

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