München – Eine ungeliebte Last ist Danilo Barthel ja schon vor den Playoffs wieder losgeworden. Der Nationalspieler darf nach seinem Nasenbeinbruch nun wieder ohne Gesichtsmaske ran. Was das bedeuten kann, hat er im ersten Viertelfinale gegen die Frankfurt Skyliners feststellen dürfen. Bei einer Aktion am Korb bekam er einen Schlag auf die Nase. Doch: Barthel schüttelte sich nur kurz und machte weiter. Für die Bayern ist das ziemlich wesentlich. Denn in diesen Playoff-Tagen, die an diesem Mittwoch (18.15 Uhr/Sport1) mit dem zweiten Duell in Frankfurt weitergehen, gehört Barthel zu den Unverzichtbaren im Bayern-Kader.
Seit sich der Serbe Milan Macvan Ende Januar übel verletzte (Kreuzbandriss) sind die Bayern auf den sogenannten großen Positionen ohnehin ausgedünnt. Eine Nachverpflichtung war nach dem Trainerwechsel von Sasa Djordjevic auf Dejan Radonjic vom Tisch.
Was für den illustren Münchner Kader leicht zu verkraften wäre, hätte man nicht in Maik Zirbes einen ausgemachten Wackelkandidaten in den Reihen. Der Nationalmannschafts-Center hatte zuletzt in Bonn aufsteigende Form bewiesen – es folgte ein Playoff-Auftakt zum vergessen. Zwei Punkte, vier Rebounds und ein wackeliger Defensivauftritt standen für ihn nach acht Einsatzminuten zu Buche.
Geschäftsführer Marko Pesic mag das noch nicht beunruhigend. „Der Trainer hat einen guten Zugang zu ihm“, sagte er, „er wird das hinkriegen.“ Immerhin erlebte Zirbes 2015/16 unter Radonjic die bislang deutlich beste Phase seiner Karriere. Entsprechend erfreut hatte er auch auf den Wechsel auf der Bank reagiert. Bislang allerdings wartet Zirbes auf einen Effekt wie in Belgrad noch vergebens.
Aber da gibt ja schließlich auch noch Danilo Barthel. Der 26-jährige Münchner Fleißarbeiter – die Länderspieleinsätze inbegriffen, musste kein Bayer in dieser Saison öfter ran – hat sich im Audi Dome zu einer Allzweckwaffe entwickelt. Als beweglicher Power Forward harmoniert er am Korb bestens mit dem überragenden US-Center Devin Booker. Wenn nötig, hilft er auch direkt unter dem Korb aus. Enttäuscht hat er bislang noch nie. Auch beim 85:72 im ersten Viertelfinale am vergangenen Samstag nicht. 14 Punkte garnierte er mit sechs Rebounds. Einzig der dynamische Serbe Vladimir Lucic (21/7) und Booker (14/10) standen noch ein bisschen besser da.
Grund zur Zufriedenheit gab es für ihn selbst deshalb freilich nicht. Das erlebt man selten beim akribischen Münchner Fleißarbeiter. Am Samstag verstimmte Barthel merklich, dass man dem jugendlichen Frankfurter Ensemble über weiter Strecken der ersten Halbzeit ohne nennenswerte Defensive gegenübergetreten war. 27 Punkte hatten sich die Bayern alleine im ersten Viertel eingefangen. Und damit in etwa genauso viele wie in der gesamten zweiten Halbzeit (28), als man die Intensität merklich erhöhte. „Es wäre schon wichtig, dass wir das diesmal von Anfang an machen“, sagte er, „denn in Frankfurt wird uns ganz sicher noch einmal etwas anderes erwarten als diesmal“.
Barthel muss es wissen, mit den Syliners kennt sich der Mann aus wie kein Zweiter im Münchner Team. Von 2011 bis zu seinem Wechsel an die Isar im Jahr 2016 war er selbst im Frankfurter Trikot aktiv.