Experiment auf anderem Niveau

von Redaktion

Sebastian Rode ist eigentlich nicht als Lautsprecher bekannt, sondern als angenehmer, angepasster Profi. Dass also ausgerechnet der Ex-Bayer bei einem TV-Auftritt die Missstände bei Borussia Dortmund ansprach und das von allen Seiten erwartete Aus für Trainer Peter Stöger ausplauderte, ist ungewöhnlich – aber sicher kein Zufall. Nicht nur Außenstehende, sondern auch die direkt Betroffenen wollen nicht länger dabei zusehen, wie der BVB zum Chaos-Klub verkommt. Die Geldstrafe, mit der Rode für seine offenen Worte belegt wurde, sollte die letzte Pointe sein, bevor dieser Klub die dringende Selbst-Erneuerung in Angriff nimmt.

Eine Partie noch, dann ist Peter Stöger in Westfalen Geschichte. Der Österreicher muss im Moment als Gesicht für den taumelnden BVB herhalten, ist für die derzeitige Situation aber nicht verantwortlich. Das Experiment mit Stöger war das zweite nach jenem mit Peter Bosz, das kein halbes Jahr andauerte. Beide sind gescheitert, und das spricht dafür, dass es nun einen kompletten Gegenentwurf braucht. Keinen taktischen Sturkopf wie Bosz, keinen teils planlosen Gute-Laune-Coach wie Stöger. Lucien Favre passt da eigentlich gut ins Bild.

Der Schweizer hat gute Bundesliga-Referenzen aus Berlin und Gladbach vorzuweisen, zudem in Nizza Stars wie Mario Balotelli unter Kontrolle. Er ist taktisch versiert, hat klare Vorstellungen, aber stets Alternativen in der Tasche. Bekannt ist er als Experte und nicht als Kumpel-Typ. Bisweilen kann er – siehe Rundumschlag nach Rauswurf in Berlin, Rücktritt in Gladbach – seltsam sein. Man wird Favre weder mit Skat-Runden locken noch ändern können. Das aber sollten die Bosse schlucken, wenn es ihnen mit dem Wohl des Clubs ernst ist.

Dennoch läuft auch dieses Engagement unter dem Stichwort „Experiment“. In diese Lage hat sich der BVB selbst gebracht. Immerhin ist es vielversprechend – oder um bei Rode zu bleiben: „Spannend.“ Ausgang offen.

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