Favres Bedingung: Königsklasse

von Redaktion

Engagement des Schweizers als BVB-Trainer hängt vom Saisonfinale ab – und Bosz mischt mit

Dortmund – Am Samstag, als vor der Gelben Wand genau ein einziger Mann gefeiert wurde, saß Peter Stöger in der Kabine. Von draußen drangen Emotionen in allen Ausprägungen in die Katakomben, Jubel für Roman Weidenfeller, Pfiffe für den Rest der BVB-Elf, die beim 1:2 gegen Mainz kurz vor dem Abschluss der turbulenten Saison die Champions League-Qualifikation leichtfertig aufs Spiel gesetzt hatte. Aber all das prallte an Stöger ab. Da war einfach nur: Frust. Über alles. Und immerhin die Gewissheit, dass es in einer Woche vorbei sein wird.

Wenn die Dortmunder am Samstag gegen Hoffenheim um ihr minimales Saisonziel spielen, sind 212 Tage rum, seitdem Peter Stöger in Westfalen vorstellig wurde. Er wird zurückblicken auf ein knappes Dreivierteljahr voller Aufs und Abs, irgendwo zwischen grandiosem Spaß-Fußball – wie zuletzt beim 4:0 gegen Leverkusen – und einer „Leistung zum Schämen“ (Michael Zorc) wie gegen Mainz. Für eine Erklärung dieser Ausschläge wäre Stöger selbst „dankbar“, sagte er zuletzt, schon das hörte sich nach Kapitulation an. Ohnehin ist aber seit Wochen klar, dass das Experiment mit dem einstigen Kölner Gute-Laune-Trainer keine Zukunft hat. Den Kampf um Platz drei führt der Österreicher nicht mehr für sich, sondern für seinen Nachfolger. Und der soll – wie man aus vielen Richtungen hört – Lucien Favre heißen.

Es würde freilich nicht zum BVB im derzeitigen Zustand passen, wenn nicht auch diese Sache ein wenig kompliziert wäre. Wie in Nizza, Favres derzeitigem Wohn- und Arbeitsort, getuschelt wird, macht der einstige Hertha- und Gladbach-Trainer das Ziehen seiner Ausstiegsklausel (mit einer Ablöse im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich) davon abhängig, ob Dortmund in der kommenden Saison in der Königsklasse spielt. Auf eine Zusammenarbeit sollen sich Zorc und Hans-Joachim Watzke mit dem 60-Jährigen schon verständigt haben, in trockenen Tüchern aber ist noch nichts. Favre, mit Nizza derzeit Siebter in Frankreich, bieten sich angeblich andere Optionen, unter anderem der FC Arsenal ist immer wieder ein Thema. Womöglich die bessere Alternative zu einem BVB in der Europa League und auf der Suche nach sich selbst.

Ausgerechnet gegen den eigentlichen Wunschkandidaten Julian Nagelsmann spielt man also am Samstag gleich im doppelten Sinne um die eigene Zukunft. Dass Stöger für die letzte Partie, bevor er mit rund zwei Millionen Euro „Schmerzensgeld“ seinen Posten räumt, einen echten Plan hat, ist unwahrscheinlich. Er ist da gewissermaßen das Gegenteil von Favre, einem ausgemachten Taktikfuchs, stets ausgestattet mit mehreren Matchplänen. In Dortmund würde der Schweizer auf alte Bekannte (Marco Reus und Mahmoud Dahoud) und zahlreiche Landsmänner (Roman Bürki, Manuel Akanji) treffen. Dass darüber hinaus Marwin Hitz aus Augsburg sowie der Schweizer Nationalmannschaftskapitän Stephan Lichtsteiner aus Turin vor einer Verpflichtung stehen, spricht dafür, dass Favre an der Kaderplanung bereits mitwirkt.

Ein weiteres Indiz: In Nizza spekuliert man dieser Tage über den Nachfolger des absprungbereiten Coaches. Favorit ist ausgerechnet: Peter Bosz. Derjenige also, dessen Rauswurf Peter Stöger 212 denkwürdige Tage eingebrockt hat. hanna raif

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