München – Eigentlich könnte Timo Gebhart zufrieden sein, wie es zuletzt gelaufen ist. Seit drei Wochen ist er zurück im Mannschaftstraining, hat bereits zwei Kurzeinsätze absolviert; nach seinem zweiten – dem 3:0-Sieg in Pipinsried – durfte er auch gleich die Regionalliga-Meisterschaft bejubeln. Für einen, der noch im Frühjahr verzweifelt schien, weil seine entzündete Achillessehne einfach nicht heilen wollte, ist das eine Menge. Und trotzdem machte Gebhart, 29, am Samstagabend ein Gesicht, als sei er eher zufällig auf dem von Fans gefluteten Rasen gelandet.
Die Erklärung für seine dosierte Freude lieferte der Löwen-Spielmacher gestern – vier Tage vor dem letzten regulären Saisonspiel in Bayreuth (Samstag, 14.05 Uhr), in dem er laut Daniel Bierofka mehr Spielzeit bekommt. „Natürlich hätte ich mich am Samstag gefreut, wenn ich etwas früher reingekommen wäre“, sagte Gebhart, wollte aber nicht nachtragend sein. „So ist Fußball“, fügte er artig hinzu: „Die Jungs haben eine super Saison gespielt. Zumindest am Anfang habe ich ein bisschen dazu beitragen können. Ich bin nicht sauer oder so. Aber klar: Das große Ziel ist der Aufstieg – und wenn der gelingt, dann freue ich mich riesig, glaubt mir.“
Die körperlichen Voraussetzungen, jetzt auch über längere Strecken helfen zu können, hat sich Gebhart in schweißtreibender Arbeit angeeignet, wie er versichert. „Ich habe so hart trainiert wie noch nie“, blickt er zurück: „Ich bin fit wie seit Jahren nicht mehr – weil ich unbedingt dabei sein wollte.“
Nachvollziehbarer Eifer, wenn man Gebharts Vita zurückverfolgt. Nach seinem steilen Aufstieg über 1860, den VfB Stuttgart und Nürnberg (100 Bundesligaspiele), wurden die Stationen immer entlegener, die Namen seiner Vereine kleiner. Jetzt mit 29 könnte Gebhart noch mal für Furore sorgen – und genau das scheint sein Antrieb zu sein. „Wenn wir sofort wieder aufsteigen, wäre das natürlich ein Riesenzeichen an alle da draußen, dass wir noch da sind. Regionalliga ist nicht das, was ich mir persönlich vorstelle – und ich denke, dass es auch der Mannschaft so geht. Jeder von uns hat gezeigt, dass er mindestens eine Klasse höher spielen kann.“
Was zur Frage führt, wie es mit Gebhart weitergeht, sollte 1860 nicht aufsteigen. „Ich will nicht noch mal Regionalliga spielen“, stellt er klar. Ein Aufstieg würde die Chancen auf seinen Verbleib erhöhen. Aber, schränkt Gebhart ein: „Es muss auch alles passen. Jeder will sich weiterentwickeln, ich auch.“ Privat hat er das bereits: Eigenheim in Memmingen, Frau, Kind. Er wird abwägen müssen: Noch mal raus in die Welt (Dubai lockt) – oder die Karriere mit Erfolgen im 1860-Trikot abrunden. Leicht würde es ihm nicht fallen, seine Löwen zum zweiten Mal zu verlassen. Jokerfrust hin oder her: „Was bei 1860 abgeht, ist einfach der Wahnsinn“, sagte er am Samstag. uli kellner