Zarter weißblauer Optimismus war schon erlaubt, als am Samstagabend – mitten in die Pipinsrieder Party hinein – folgendes Foto auf den Smartphones der glückseligen Löwen-Fans aufploppte: Hasan und Yahya Ismaik im Meistershirt – an der Seite von Peter Cassalette und Saki Stimoniaris, Ismaiks ergebensten Anhängern im Aufsichtsrat.
Was für ein Kontrast: 5000 Löwen-Fans zwischen Dixi-Klos und Bierbuden in Pipinsried, auf dem Rindenmulch der Naturtribüne schunkelnd. Und ein Quartett Nobelhotelbesucher, das aus der Ferne vorgefertigte Facebook-Grüße absetzte. Hatte was von: Wir hier unten, ihr da oben. Aber: Es war auch ein Zeichen, das der Investor da gefunkt hatte. Er, der monatelang wie vom Erdboden verschluckt war, der den finanziellen Zwangsabstieg in Kauf genommen hatte, der mal wieder mit fast allen im Clinch zu liegen schien. Genau dieser Ismaik stand nun auf der Terrasse des Charles-Hotels und machte eine kleine, aber vielsagende Geste: Daumen nach oben!
Dass seine spontane München-Visite nicht als reine Solidaritätsadresse gedacht war, zeigte sich dann gestern, als Ismaiks Sprecher Stimoniaris ein ganzes Bündel an Hilfsleistungen in Aussicht stellte, von der Stundung fällig werdender Darlehen, über die Rettung des Bayernliga-Unterbaus (U 21) – bis hin zu Investitionen in die erste Mannschaft. Ismaik sei es ein Anliegen, schon vor den Playoff-Duellen mit Saarbrücken finanzielle Weichen zu stellen.
Das ist einerseits löblich und könnte vom Willen zeugen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Andererseits sollten auch Ismaiks treue Verehrer der Versuchung widerstehen, den Milliardär aus Abu Dhabi als barmherzigen Samariter darzustellen. Zumal die Hilfszusagen des Jordaniers traditionell an (schwer erfüllbare) Bedingungen geknüpft sind. Es gefällt Ismaik zwar, sich als eingefleischter Löwen-Fan zu gerieren, doch in erster Linie ist und bleibt er Geschäftsmann. Sofern ihm daran gelegen ist, dass seine Anteile eines Tages noch mal im Wert steigen (wovon auszugehen ist), muss er so handeln. Schon aus kaufmännischem Kalkül heraus.
Trotzdem: Jeder aus dem arabischen Kulturkreis, der Anfeindungen wie Ismaik erlebt, muss für so einen Schritt auch bereit sein, über seinen Schatten zu springen. Und: Keiner sollte den Fehler machen, aus seinen Maßnahmen einen Vertrauensvorschuss für die aktuelle Vereinsführung abzuleiten. Ismaiks Dank und Respekt gilt zuallererst Daniel Bieroka, dessen „selbstlosen“ Einsatz für 1860 er nun auch wirtschaftlich befeuern will. Ismaiks Welt ist weit von Giesing entfernt, doch er ist lange genug Löwe, um einzuschätzen zu können, dass es ohne Bierofka schwer geworden wäre, die Scherben nach dem historischen Doppelabsturz zusammenzukehren.