München – So eine Trikotpräsentation könnte eine unspektakuläre Sache sein. Es ist ja nicht so, dass sich die Arbeitskleidung eines Klubs wie des FC Bayern von einer Saison zur nächsten fundamental unterscheiden würde. Die wichtigste Erwartung ans Trikot ist ohnehin jedes Jahr gleich: Rot muss es sein.
Diese Aufgabe haben die Designer auch bei der neuesten Ausgabe mit Bravour gelöst. Und selbst wenn Thomas Müller bei der Präsentation am Dienstag zurecht anmerkte, „man kann es gar nicht radikal verändern“, ist das kommende Outfit mit seiner Rauten-Optik und blauen Bündchen am Ärmel doch ausreichend modifiziert, dass es sich wieder in rauen Mengen verkaufen lässt. Und darum geht es letztlich.
Zu diesem Zweck haben die Bayern Straßenkünstler aus Spanien und Kolumbien, Wien und Frankfurt eingeflogen, von denen einer den schönen Namen „Stinkfish“ trägt, dazu eine Armada von Influencern, die die Veranstaltung live in die Welt streamten und bloggten. Auch in Bogota und Tokio kennt man nun also das neue Trikot, zu dem Joshua Kimmich den hübschen Kommentar abgab, er fände „die Rückennummern ganz cool“.
Die Bayern hatten eine Menge Prominenz aufgefahren, von Robert Lewandowski über James bis zur Allzweckwaffe Müller. Am meisten Aufmerksamkeit erregte jedoch einer, der gar kein Rot trug, sondern sehr viel farbloser daherkam. Manuel Neuers Arbeitskleidung ist künftig hellgrau. Während aber seine Kollegen die neuen Trikots am Samstag beim Bundesligafinale gegen Stuttgart vorführen werden, zieht sich die Premiere des Torwarts noch ein Weilchen hin.
Die Frage, wie lange dieses Weilchen noch dauert, beschäftigt Fußball-Deutschland mehr als jede andere. Neuer selbst hat in den vergangenen Monaten nur wenig gesagt und bei den seltenen öffentlichen Auftritten meist die vereinseigenen Kanäle genutzt. Der Auftritt am Dienstag war deshalb bemerkenswert. Allein, klüger ist man nun auch nicht.
Der Torhüter war noch nie ein Mensch, der verbal die Offensive sucht. Auch jetzt vermeidet er es wortreich, Klarheit zu schaffen, was vor allem daran liegt, dass er selber noch immer nicht weiß, wie es mit ihm und der WM aussieht. Auf die Frage, ob er denn sicher nach Russland mitreise, antwortete er entwaffnend ehrlich: „Das kann ich im Moment nicht sagen.“ Genau eine Woche, bevor Joachim Löw seinen vorläufigen Kader bekannt gibt, kann Neuer selbst nur erahnen, wie es um seine Persoektive steht. „Ich muss für mich, die Mannschaft und die Fußballrepublik Deutschland die richtige Entscheidung treffen. Da hilft es nicht, sich aus der Ruhe bringen zu lassen.“
Allenfalls in Untertönen klingt eine gewisse Skepsis durch. Neuer sieht sich auf einen guten Weg, das schon: „Ich fühle mich bei den Sachen, die ich mache, sehr wohl.“ Nur macht er halt noch nicht alles, was ein WM-Torwart machen sollte, und musste zuletzt wegen eines Knochenödems eine Woche mit dem Training aussetzen. Aktuell geht es ihm darum „mich täglich zu verbessern“ und zu versuchen, „so schnell wie möglich fit zu werden. Die bisherigen Schritte waren sehr gut und positiv, das versuche ich fortzusetzen.“ Er sagte aber auch: „Ich denke nicht, dass es vorstellbar ist, dass ich ohne Spielpraxis in so ein Turnier gehe.“ Zwei Spiele mit den Bayern stehen noch an, zwei mit dem DFB-Team. Und dann wird man wissen, ob Neuers nahe Zukunft in knalligen Farben leuchtet. Oder ob sie eher einen Grauschleier hat.