An den „Eisen-Renz“ kommt keiner ran

von Redaktion

Wie oft pro Saison müssen die Eishockeyspieler ran? Diese Saison wird Patrick Hager am stärksten beansprucht

Von Günter Klein

München – Der deutsche Vielspieler-Rekord, so viel ist klar, wird auch dieses Jahr überdauern.

Andy Renz, heute als Experte bei Telekomsport tätig, hält noch immer diese unglaubliche Marke. Es war bei der Weltmeisterschaft 2002 in Schweden, als er (noch in der Vorrunde) mal bestätigte: „Das war jetzt mein hundertstes Spiel diese Saison.“ Vorbereitung, Liga mit Köln, Länderspiele, Olympia-Turnier in Salt Lake City, WM. „Der Andy“, sagt Hans Zach, Bundestrainer im Renz-Rekordjahr, „war nicht der hochbegabte Techniker – aber er hat alles ausgehalten; er war eisern,“ Man hat den Verteidiger daher „Eisen-Renz“ genannt.

2017/18 ist wieder eine Saison wie damals – mit zwei internationalen Höhepunkten, Olympia und WM. Doch auf hundert Saisonspiele wird keiner kommen. Dennoch, und das zeigt, was ein Eishockeyjahr an Terminen bereithalten kann: Einige deutsche Cracks werden nach Abschluss des Turniers in Dänemark bei über neunzig Partien stehen. Der fleißigste von allen: Patrick Hager vom EHC München. Das WM-Spiel am Mittwoch gegen Südkorea (6:1) war seine Nummer 90.

So setzte sich seine Saison zusammen: zwei Testspiele beim Red-Bull-Salute-Turnier im August in Garmisch-Partenkirchen. In der Champions Hockey League (München hatte sechs Gruppenspiele und zwei Viertelfinals) fehlte er nur einmal. In der DEL wurden ihm wie den anderen Münchner Olympia-Assen von den 52 Hauptrundenspielen zwei nach der unmittelbaren Rückkehr aus Pyeongchang erlassen; es folgten 17 Playoff-Matches bis zur Deutschen Meisterschaft. Im November hatte Hager zwei der drei Spiele um den Deutschland-Cup bestritten, Anfang Februar einen Olympia-Test in der Schweiz, und beim Turnier in Südkorea war er Stammspieler (sieben Einsätze).

Für Hans Zach ist ein Pensum um die 90 Saisonspiele schon das Maximum dessen, was man aushalten kann. „Es kommt natürlich immer auf die Intensität an.“ Die sei in einem Freundschaftsspiel nicht so hoch – doch gerade Hager hatte fast nur Partien, in denen es um Punkte ging. „Und als Typ“, meint Zach, „ist Hager ein ähnlicher Spieler wie Andy Renz“. Beschlagener natürlich – „aber auch hart“.

Patrick Hager ist einer, der nicht nur mitläuft; er hat seinen Platz auch in den „special teams“, wird eingesetzt bei Über- und Unterzahl seiner Mannschaft. Früher mussten die Trainer die Belastung mit Bauchgefühl steuern, mittlerweile hat die Datenerfassung auch das Eishockey erreicht. Die Spieler werden wie im Fußball „getrackt“. Beim EHC München (und auch anderen Clubs) wird festgehalten, welche Strecke die Spieler zurücklegen, wie schnell sie dabei sind, wie viel Zeit sie auf dem Eis zubringen. Zwischen sechs und acht Kilometern pro Partie ist man im Eishockey unterwegs. Das klingt erst einmal überschaubar im Vergleich zum Fußball, wo schon mal an die zwölf Kilometer geleistet werden – doch auf dem Eis bleiben einem dafür höchstens 25 Minuten.

Ein NHL-Crack könnte – theoretisch – auf 82 Hauptrunden- plus 28 Playoff-Auftritte kommen (wenn jede Runde sieben Spiele erfordert). 110 Partien plus ein bisschen Pre-Season. Dazu noch, aber erst 2022 wieder möglich, noch Olympia mit sieben Spielen. . . In der Praxis wird es aber nicht so wild, wie an Leon Draisaitl zu sehen ist, dem deutschen NHL-Star. Die NHL nahm nicht an Olympia teil, sein Verein Edmonton verpasste die Playoffs, daher blieben Draisaitl vier Vorbereitungs- und 78 Ligaspiele. Vor der WM machte er drei Länderspiele – und ist in der Gesamtsumme (89) eine Partie hinter Hager. Gefolgt von Verteidiger Jonas Müller (Eisbären Berlin/88) und Yannic Seidenberg (München/88). Aber bald haben sie Urlaub. Alle.

Artikel 3 von 11