Frankfurt – Gut vier Minuten vor dem Ende schien auch in diesem zweiten Viertelfinale alles zu laufen wie immer in dieser Saison bei den Duellen der Basketballer aus Frankfurt und München. Schritt für Schritt pirschten sich die Bayern an die, lange Zeit tonangebenden Hessen heran. Doch dann flutschte Nihad Djedovic der Ball aus den Händen. Und mit dem Ball kam dem Hauptrunden-Champion auch irgendwie der letzte Zugriff auf diese seltsame Partie abhanden.
Am Ende stand ein 75:69 (42:35) für den vermeintlichen Außenseiter aus Hessen. Alles auf null also in der Serie nach dem Modus best of five, die an diesem Samstag (20.30 Uhr) im Audi Dome weitergeht. Ob mit oder ohne Vladimir Lucic, das wird sich wohl erst kurzfristig herausstellen. Der Serbe musste die Partie nach einem Zusammenprall mit Frankfurts Mike Morrison vorzeitig mit lädierter Schulter abbrechen. Wie schlimm die Sache ist, war gestern Abend noch unklar.
Das Fragezeichen hinter dem Schlüsselspieler, dürfte die Bayern fürs Erste noch mehr beunruhigt haben als die Pleite selbst. Ein zweites Viertelfinale haben die Bayern seit 2013 (gegen Alba Berlin) nicht mehr gewonnen. Dass es auch diesmal nicht besser kam, wollte nicht zuletzt Nationalspieler Danilo Barthel nicht weiter verwunderlich finden: „Die Frankfurter wollten den Sieg einfach mehr.“
Was dann schon ein vergleichsweise einfaches Rezept ist. Zumal wenn man bedenkt, dass der Vorrunden-Achte gehandicapt ins Rennen gehen musste. Regisseur und Bayern-Spezialist Tai Webster lief angeschlagen auf. Ohne ihn und den Liga-Topscorer Phil Scrubb, so hatten im Vorfeld viele gemutmaßt, würde es für Frankfurt nicht viel zu bestellen geben. Doch manchmal kann ein Handicap auch ein Ansporn sein. Bei den Skyliners traten von Beginn an Spieler ins Rampenlicht, mit denen man so vielleicht nicht unbedingt gerechnet hatte. Oldie Quantez Robertson (12 Punkte) zeigte sich nicht zuletzt an der Dreierlinie. Der als NBA-Aspirant gehandelte Isaac Bonga (10) mal in der Defensive, mal am Münchner Korb.
Die Frankfurter funktionierten als Mannschaft besser. Vor allem gelang es den Gastgebern anders als im Auftaktspiel, die Intensität im Spiel über die gesamte Partie hochzuhalten. Vor allem die kompromisslose Defensive machte den Bayern schwer zu schaffen. Trainer Deian Radonjic versuchte die Vorteile seines tiefen Kaders auszuspielen. Alle elf mitgereisten Profis kamen zum Einsatz. Doch die Durchhänger nahmen sich die Bayern. Heraus sprang ein Frankfurter 7:0-Lauf in den letzten 90 Sekunden der ersten Halbzeit und ein 10:0 in den Schlussminuten der Partie.
In früheren Einsätzen hatte den Münchnern in solchen Momenten immer wieder die individuelle Klasse geholfen. So wie beim Pokaltriumph in Ulm als Jared Cunningham Finalgegner Alba Berlin 28 Punkte einschenkte. Der US-Boy allerdings rieb sich wie schon in Spiel eins an seinen Defensivaufgaben auf. In der Schlussminute schwang er sich mit zwei Dreiern zwar noch zum Münchner Topscorer auf (14 Punkte), doch da war diese Partie längst verloren.
Die Bayern kämpften sich ja immer wieder ran. Doch anders als etwa im letzten Hauptrunden-Duell vor wenigen Wochen, als man in der Schlussphase 18 Punkte wettmachte, zog man diesmal nicht vorbei. Weil sich auch die zuverlässigsten Münchner diesmal immer dann Fehler leisteten, wenn die Mannschaft eigentlich darauf und dran schien, das Ruder in der seltsamen Partie zu übernehmen.
Trainer Radonjic konnte dem Ausflug nach Hessen dem entsprechend auch nicht allzu viel Gutes abgewinnen. „In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht, um zu gewinnen“, sagte er, „aber sie waren heute einfach besser als wir.“