München – Der Mann, der da oben auf dem Podium neben Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Jupp Heynckes für die Kameras posierte und den Fans zuwinkte, trug zwar ein Trikot des FC Bayern, es war aber offensichtlich, dass es sich um keinen Neuzugang handeln würde. Das Jersey spannte über der Leibesfülle, es sei „wohl für einen schmaleren Spieler“ geschneidert, witzelte selbst sein Träger, der sowieso einen anderen Job hat, der ihn fordert: Markus Söder ist als bayerischer Ministerpräsident ausgelastet.
Und dennoch kann es gut sein, dass in nächster Zeit der eine oder andere ins Münchner Dress schlüpfen wird, der bisher woanders seinem Beruf nachgegangen ist. Beim Empfang in der Staatskanzlei am Mittwoch sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, die Planungen für die nächste Saison seien noch längst „nicht finalisiert“. Zum einen stünden die Verlängerungen von Arjen Robben und Rafinha aus, „und ich schließe auch nicht aus, dass wir noch weitere Neuzugänge haben werden“. Bisher stößt Leon Goretzka aus Schalke zum Kader, des Weiteren wird der bisher an Hoffenheim verliehene Serge Gnabry integriert, und auch Renato Sanches erwartet man aus Swansea zurück – wenn auch mit gemischten Gefühlen. Bei ihm weiß man nicht so genau, wie die Entwicklung weitergehen soll. Rummenigge gab nun erstmals zu, dass es mit diesen Personalien wohl noch nicht getan ist. Der Kader werde für 2018/19 so sein, „dass ich sagen kann: Die Meisterschaft wird auch in der nächsten Saison nur über den FC Bayern gehen.“
Bayerisches Selbstbewusstsein hatte Söder schon früh als Motto bei diesem Termin ausgegeben, bei dem man sich eh nicht ganz sicher war, welche bajuwarische Majestät eigentlich der anderen eine Audienz gewährte. Der Ministerpräsident brachte in seiner Rede reichlich „Mia san mia“ ein, indem er unter anderem Bundestrainer Joachim Löw nahelegte, so viele Münchner wie möglich zur anstehenden WM nach Russland mitzunehmen. „Deutschland kann nur erfolgreich sein mit Hilfe aus Bayern – und wir Bayern helfen ja gerne“, sagte er. Gegen Parallelen zur Politik hatte er da sicherlich nichts.
Söder gefiel sich als jovialer Gastgeber. Unter anderem bot er Jupp Heynckes die bayerische Staatsbürgerschaft an („wenn Sie wollen, rufe ich dafür gerne eine Kabinettssitzung ein“), und der Trainer stand auch so im Fokus: Er feierte seinen 73. Geburtstag, was die rund 200 geladenen Fanclub-Vorsitzenden mit einem Ständchen würdigten.
„Mit dem Double wäre es ein Superjahr“, sagte Rummenigge über die Saison. Auch das Bangen um Manuel Neuer trübe die Bilanz nicht, so der Vorstandschef. Die Meldungen, Heynckes habe ausgeschlossen, dass der Torwart vor der Sommerpause noch einmal für den FC Bayern aufläuft, seien falsch, erklärte er: „Richtig ist, dass er am Samstag gegen Stuttgart nicht im Kader ist.“ Ob das in Berlin im Pokal-Finale auch der Fall sei, sei noch nicht entschieden. Es ginge „um die exklusive Gesundheit von Manuel. Wenn er der Meinung ist, dass er spielen kann, und der Trainer ihm das Vertrauen gibt, wird er spielen. Ich glaube nicht, dass da ein Risiko eingegangen wird.“ Eine Teilnahme an der WM werde Bayern auf keinen Fall untersagen: „Ich weiß, was eine WM für einen Spieler bedeutet, ich durfte an drei Weltmeisterschaften teilnehmen – ich wünsche ihm, dass er spielen kann und es wäre auch im Sinne des Clubs.“
Über das Zögern von Robben, seinen neuen Vertrag zu unterschreiben, sagte Rummenigge: „Wir kennen Arjen, das ist ein stolzer Niederländer. Wir sehen das alles entspannt.“ Ebenso gelassen sei man bei den fortlaufenden Gerüchten um Robert Lewandowski: „Es muss sich keiner Sorgen um das Verhältnis von Lewandowski und dem FC Bayern machen, das ist ein sehr gutes Verhältnis. Er wird auch im nächsten Jahr bei uns Fußball spielen.“
Dass sich vielerorts kritisch über den verweigerten Handschlag des Stürmers am letzten Samstag geäußert wurde, quittierte Rummenigge mit einem Lächeln: „Wenn einer seine Meinung kundtun will – kein Problem. Ich bin ein großer Demokrat.“ Sprach’s auf den Stufen der Bayerischen Staatskanzlei.