Besondere Feiern

von Redaktion

Nicht ausziehen

Ein Skandal war es, als in den 70er-Jahren Fotos in einer Illustrierten auftauchten, die zeigten, wie Bayern-Spieler nackt im Entmüdungsbecken ihrer Kabine im Olympiastadion planschten. Zwanzig Jahre später war es kein großer Aufreger mehr, als das österreichische Fernsehen Bewegtbilder einer Nacktpolonaise von Rapid Wien präsentierte. Mittendrin: der heutige Bundesliga-Trainer Peter Stöger. Die Akteure bekümmerte es nicht, dass alles zu sehen (und an den verpixelten Stellen zumindest zu erahnen) war. Doch es gibt auch andere Ansätze des Feierns, als sich auszuziehen. Nämlich: die Spielklamotten länger anzubehalten. Rekordhalter dabei: der amerikanischje Eishockeyprofi Shjon Podein, der nach dem Gewinn des Stanley Cups in der NHL die verschwitzte Spielkleidung mit allen Protektoren 25 Stunden lang nicht ablegte (weil er die Rückennummer 25 trug). Resultat: Ausschlag am ganzen Körper.

Mehrere Tage dauerten die Feierlichkeiten, als die Detroit Red Wings 1997 die nordamerikanische Eishockey-Meisterschaft gewonnen hatten. Auf dem Weg zu einem offiziellen Termin verunglückte ein Auto mit drei Spielern – der Fahrer, Angestellter eines kommerziellen Transportunternehmens, war alkoholisiert. Am schwersten verletzt war der russische Verteidiger Wladimir Konstantinow, damals 30, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er lag mit Schädel-Hirn-Trauma im Koma, konnte nie mehr spielen, wurde zum Pflegefall.

Die kanadische Stadt Vancouver wird weltweit für ihre Schönheit und die Gelassenheit ihrer Bewohner gerühmt – nur ist es damit nicht weit her, wenn im Eishockey, dem Nationalsport, der örtliche Club, die Canucks, den Titel verfehlt. 1994 war man dem Stanley Cup nahe, doch das letzte Spiel der Finalserie ging in New York 2:3 verloren – unmittelbare Folge in Vancouver: Randale, 200 Verletzte, eine Million Dollar Sachschaden. 2010 dann: noch größeres Chaos. Die Canucks hätten mit einem Heimsieg gegen Boston den begehrten Pokal holen können. Indes: Sie verloren, und in der Innenstadt beim Public Viewing bricht sich die Gewalt der Enttäuschten Bahn. Schaufensterscheiben werden eingeworfen, Autos gehen in Flammen auf, Fans verbrennen darin ihre Canucks-Trikots – und die Welt ist via Fernsehen live dabei.

Sich selbst hochleben lassen – okay. Den Gegner schmähen – eher nicht. Zu einem Politikum wurde der Feierauftritt der deutschen Fußballer am Brandenburger Tor nach dem verlorenen EM-Finale 2008. Moderator Oliver Pocher animierte die Spieler dazu, die Spanier als gebückte Wichtel darzustellen („So gehn’ die Spanier“). Dumm nur, dass die der Sieger waren. Die folgenden drei Turniere wollte das Team keine Party mehr.

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